The Pact (2012)

CineCouch Kritik Daniel

Warum nicht dort anfangen, wo ich letztes Mal aufgehört habe. Gleiches Genre, gleiches Jahr. Doch diesmal beschäftigen wir uns nicht mit V/H/S, sondern dem unwesentlich früher entstandenen Regiedebüt von Nicholas McCarthy.

Im Jahre 2010 drehte McCarthy einen 10 minütigen Kurzfilm namens THE PACT, in dem er zum ersten Mal nach etlichen Kunstfilmen seiner Hingabe zum Horrorgenre frönte. Nachdem dieser auf dem Sundance Film Festival 2011 einen dermaßen guten Eindruck beim Publikum hinterließ, traten prompt einige Produzenten auf den Plan und sagten, dass er das Grundkonzept unbedingt ausbauen müsse – sicherlich nur aus rein künstlerischen Beweggründen, wir kennen das ja. Nach dem gleichnamigen Kurzfilm bekommen wir nun also die längere Variante einer Story spendiert, die sich auf den ersten Blick dem Subgenre des Haunted House-Movie einordnen lässt; ob das wirklich so stimmt, nun ja, das werdet ihr gleich erfahren.

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Die Schwestern Annie (Caitie Lotz) und Nicole (Agnes Bruckner) wuchsen in einem einfachen kalifornischen Reihenhaus auf, in einer Familie, die kaum als solche bezeichnet werden kann, und unter einer strengen, wenig geliebten Mutter, die nun das Zeitliche gesegnet hat. Von einem Vater erfahren wir nichts. Der Tod der Mutter lässt die beiden Frauen jedoch in ihr altes Leben zurückkehren, das scheinbar dunkle Geheimnisse in sich birgt. Als ihre ältere Schwester nun auch noch auf mysteriöse Art und Weise verschwindet, wird Annie dazu gezwungen, sich mit ihrer schmerzvollen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Diverse Albträume und seltsame Phänomene plagen die junge Frau und nachdem sie allmählich Nachforschungen anstellt, entdeckt sie eine Spur, der sie besser nicht hätte folgen sollen.

Wer sich nun denkt, Moment mal, ist ja alles schön und gut, aber das klingt im Grunde genommen ziemlich vertraut, der wird in gewisser Weise Recht behalten. McCarthy bedient sich reichlich an Genre-Standards und kümmert sich gar nicht darum, inhaltliche Klischees zu umkurven, vielmehr nimmt er sie mit vollem Tempo und guten Gewissens mit. Doch das stellt auch überhaupt kein Problem dar, denn auf inszenatorischer Ebene sind sie dafür umso gelungener. Statt auf Effektgewitter zu setzen, verwöhnt uns THE PACT mit – sagen wir mal – wohligem Schaudern und einer extrem ansprechenden Atmosphäre, gerade wenn wir uns im angesprochenen Haus befinden. Der Film setzt nur auf einige wenige Schocks, die meiner Meinung nach wirklich gut funktionieren, und oftmals begleiten wir die Protagonistin einfach nur mit atmosphärisch hübsch anzusehenden Kamerafahrten auf ihrem Weg durch die engen verwinkelten Räume (aber ganz nebenbei, wer hat denn bitte diese Wandtapete zu verantworten??). Es handelt sich also um einen eher gemächlich erzählten Gruselfilm, der nur am Rande das Thema „Spuk“ streift. Seinen Fokus jedoch legt er auf die Frage nach den vergangenen Ereignissen, die den gegenwärtigen Horror zu bedingen scheinen, und webt dabei einen Krimi mit eindeutigen Thriller-Aspekten drum herum.

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Somit kommen wir auch schon von meinem lachenden zu meinem weinenden Auge. Bedauerlicherweise habe ich nämlich auch was zu meckern. Gerade wenn es um die Thriller-Elemente geht, bleiben die Schauspieler weit unter ihren Möglichkeiten – und zwar ohne Ausnahme. Selbst Casper van Dien, der in einer kleinen Nebenrolle auftaucht, scheint nicht wirklich in seine Rolle zu finden (aber seien wir mal ehrlich, van Dien erfreute uns in STARSHIP TROOPERS zumindest vorrangig nicht durch seine atemberaubenden schauspielerischen Fähigkeiten). Gerade die ohne Raffinesse angestellten Nachforschungen gehen dermaßen leicht von der Hand und greifen nach wenigen Sekunden ineinander, so dass man sich schon fragen muss, ob die junge Annie nicht gleich die Nachfolge von Sherlock Holmes antreten sollte. Doch im Folgenden stellt sie sich schon wieder so dämlich an, beispielsweise beim Nachladen und Halten einer Waffe, dass es einfach nur noch inkonsequent wirkt. Einige dieser Ungereimtheiten gehen definitiv auf das schwächelnde Drehbuch zurück, welches ebenfalls aus McCarthys Feder stammt, das muss man ganz klar so sagen. Wie ich finde, merkt man daran einfach, dass das ursprüngliche Skript lediglich für einen Kurzfilm ausgelegt war, und anscheinend für einen abendfüllenden Film entsprechend gestreckt werden musste. Schade, schade.

Damit ist eigentlich alles gesagt, übrig bleibt eine Mixtur aus Haunted-House-Movie und Thriller, der uns am Ende eine physisch präsentere Bedrohung präsentiert als zunächst anzunehmen war, doch worum es sich dabei handelt, sollt ihr schön selbst herausfinden. Nicholas McCarthy fährt eindeutig besser auf der Horror-Schiene und vermag, trotz kleinen Mängeln im Drehbuch, all seine Stärken in Sachen Atmosphäre und Inszenierung zu entfalten. Als Regiedebüt ist THE PACT allemal sehenswert, gerne mehr davon!

THE PACT in der IMDb
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