Awakenings (1990)

CineCouch Kritik Michi

Ein großes Krankhaus voller zombieähnlicher Patienten. Ein Arzt mit der Macht über jeden einzelnen von ihnen. Und ein Versuch mit einem neuartigen Medikament; mit möglichen drastischen Folgen. All dies lässt nichts Gutes erahnen – und erzeugt einen leichten Schauer auf dem Rücken.

Und selten hätte man sich mehr irren können. Denn AWAKENINGS erzählt die Geschichte von Dr. Malcom Sayer (Robin Williams) und seinem Versuch, die katatonischen Patienten des Krankenhauses wieder ins Leben zurück zu führen. Der Film spielt im Jahr 1979, als die Technik der Krankenhäuser noch relativ am Anfang stand und auch die Gehirnforschung noch nicht weit fortgeschritten war. Doch als ein neues Medikament (eigentlich für Alzheimerpatienten gedacht) auf den Markt kommt, wittert Sayer seine Chance und probiert das Medikament an seinem Patienten Leonard (Robert De Niro) aus.

Penny Marshall verfilmte 1990 mit AWAKENINGS das gleichnamige Buch von Oliver Sacks, der darin mehr oder weniger seine eigene Geschichte erzählt. Der Film war relativ erfolgreich und erhielt unter anderem die Oscar Nominierung für den besten Film (zusammen mit GODFELLAS, GODFATHER 3 – gewonnen hat DANCES WITH THE WOLVES).

Awakenings 2

Der Film besticht vor allem dadurch, den Zuschauer emotional zu packen. Die Story mag nicht sonderlich spannend sein und auch nicht jeden interessieren, aber die teils amüsant geschriebenen Dialoge und die interessante Zusammenführung der verschiedenen Charaktere ergeben ein harmonisches Gesamtbild. In der ersten Hälfte wird ein kurzweiliges feel-good-movie präsentiert, das einem vor allen Dingen besonders Robin Williams Charakter des Dr. Sayer ans Herz wachsen lässt. Gerade wenn man sieht, wie er vor anderen Ärzten mit Grips für seine Überzeugungen kämpft und in der nächsten Szene seine kleinen Fehler und Macken gezeigt bekommt, muss man ihn einfach lieb haben. Er behandelt jeden seiner Patienten wie einen ganz normalen Menschen und versucht ihnen wirklich zu helfen, selbst wenn er lieber wieder mit Pflanzen arbeiten würde. Umso mehr freut man sich über seine ärztlichen Erfolge und dass er es schafft, Leonards Zustand zu verbessern. Die anderen Patienten werden allerdings nicht außen vor gelassen, sondern auch näher behandelt und fast jeder kriegt im Film seine eigene kleine Szene, wodurch ein nettes Potpourri skurriler Momente und Charaktere entsteht, die die eigentlich traurige Thematik des Films vergessen lassen.

Diese wird in der zweiten eher dramatischen Hälfte des Films deutlicher hervorgebracht. Hier kommt nämliche die Realität dem medizinischem Wunder in die Quere. Obwohl nun alle Euphorie verflogen scheint und die Stimmung traurig gedämpft wird, bleibt es ein lebensbejahender Film, der ein positives Menschenbild hervorhebt und trotzdem zum Nachdenken anregt.

Awakenings

“Don´t give up on me.”

Obwohl AWAKENINGS teils kitschig erscheinen mag und manchmal ein wenig träge erscheint, ist er insgesamt gesehen wirklich gut gemacht und keineswegs langweilig oder vorhersehbar. Mir gefiel vor allem die Stimmung des Films und Robin Williams Schauspielerei hervorragend und ich war eigentlich immer von der Handlung emotional mitgerissen. Diese ist eher realistisch gestaltet, wohl weil es teils nach echten Begebenheiten konstruiert und daher kein typisches Hollywood-Drama ist. Der Film arbeitet auf sehr subtile Art und Weise und schafft es genau deswegen, nicht über den Punkt hinaus zu gehen, an dem alles unglaubwürdig und schnulzig oder zu dramatisch wird. Als ein Gegenbeispiel ließe sich vielleicht der Herzschmerz, zu Tränen rührende, überdramatisierte und überaus kitschige Film THE NOTEBOOK anführen. Alle, die dazu einen Gegensatz suchen, können sich getrost AWAKENINGS anschauen.

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