Star Trek: Into Darkness (2013)

CineCouch Kritik Niels

J.J. Abrams ist in Hollywood nicht nur als vielseitig, sondern auch als äußerst vielbeschäftigt bekannt. Er zeichnet nicht nur verantwortlich als Schöpfer von diversen TV-Serien wie LOST oder FRINGE, sondern schrieb darüber hinaus Drehbücher, zum Beispiel zu ARMAGGEDDON, produzierte CLOVERFIELD und führte Regie bei SUPER 8. Kurz gesagt: Der Mann ist Spezialist in Sachen Sommer-Blockbuster.
So ist es auch kaum verwunderlich, dass Abrams auch für die neusten Ableger der wohl erfolgreichsten zwei Sci-Fi-Universen engagiert wurde. Auf die siebte Episode von STAR WARS müssen wir noch etwas warten, dem STAR TREK-Reboot durfte er in diesem Jahr schon einen Nachfolger spendieren.

STAR TREK: INTO DARKNESS spielt kurz nach den Ereignissen des direkten Vorgängers. Nach einer missglückten Forschungsmission wird Captain Kirk (Chris Pine) das Kommando über die Enterprise entzogen. Den Schuldigen dafür sieht er in Spock (Zachary Quinto), von dem er nicht die erhoffte Rückendeckung gegenüber der Sternenflotte bekommt, sodass die Beziehung zwischen den beiden Freunden merklich abkühlt. Doch als der ehemalige Agent John Harrison (Benedict Cumberbatch) kurz darauf Anschläge auf Archiv und Hauptquartier der Sternenflotte verübt, müssen die beiden Crewmitglieder zusammenhalten, um den Gegner zu stellen, seinen Plan zu verstehen und die Bedrohung abzuwenden.

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Was J.J. Abrams dabei fürs Auge bietet, ist allererste Sahne. Lange habe ich im (Heim-)Kino keinen Film mit so beeindruckenden Bildern mehr gesehen. Das Universum in STAR TREK: INTO DARKNESS wurde abwechslungsreich fotografiert, das Stadtpanorama erinnert an BLADE RUNNER, während die Eröffnungssequenz wunderbar farbenprächtige Flora und Fauna entwirft. Die 3D-Version punktet mit einer plastischen Bildtiefe und weiß so auch ohne allzu viel Effekthascherei zu gefallen, auch wenn sie sicherlich keinen 3D-Gegner konvertieren wird. Die Actionszenen profitieren von der Bildgewalt und heben sich wohltuend von der Konkurrenz ab, da man nie den Überblick verliert. Außerdem ist die Besetzung klasse, Neuzugänge wie Benedict Cumberbatch machen den ohnehin schon herausragenden und harmonierenden Cast noch einmal besser.

Im Vergleich zum Vorgänger fallen dennoch einige Mankos auf: Viele Nebenfiguren, die 2009 noch behutsam neugeformt und vorgestellt wurden, sind nur noch Beiwerk und für kurze Lacher gut, die zudem schlechter zünden. Die Leichtigkeit und der naive Tatendrang der Enterprise-Crew, der den Vorgänger auszeichnete, ist vielen Streitigkeiten und Spannungen gewichen. Das muss kein schlechter Ansatz sein, doch dann muss die Geschichte fesseln, was nicht vollends gelingt. Die Querelen in der Crew ziehen das Tempo herunter, fügen den Charakteren erstaunlich wenig Tiefe hinzu und wecken viel zu wenig Sympathie. SHERLOCK-Star Benedict Cumberbatch wirkt als Antagonist verschenkt, hat nur wenige Szenen, in denen er sich auszeichnen kann. Zudem bleiben seine Ziele genau wie seine Vergangenheit zu sehr im Hintergrund, werden mäßig erklärt und stellen lediglich Mittel zum Zweck für Kämpfe, Verfolgungsjagden und Lense-Flares dar. Tiefe oder Konflikte, die über genretypische Standards hinausgehen, sind hier Fehlanzeige, was eben durch den fehlenden Witz und verschlepptes Tempo negativ auffällt. Auch bleibt echte Spannung dadurch auf der Strecke, denn echte Gefahr besteht für die Protagonisten zu selten und es ist immer offensichtlich, dass keine ernsthaften Konsequenzen zu befürchten sind. An dieser Stelle muss ich darauf hinweisen, dass ich beileibe kein Trekkie bin und nur mit dem direkten Vorgänger vertraut bin. Vielleicht sehen Fans diese Kritikpunkte anders, genau wie mein Unverständnis gegenüber den vielen wissenschaftlichen Begriffen, die wohl den simplen Plot kaschieren sollen.

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Nachdem viele Blockbuster in diesem Jahr enttäuschten, weiß STAR TREK: INTO DARKNESS durchaus zu gefallen. Trotz einiger Schwächen ist der Film nettes Popcorn-Kino, das seine inhaltliche Leere hinter Action und Optik verstecken kann, in Bezug auf den Vorgänger aber abfällt. Schade ist, dass das unbestreitbar vorhandene Potential nicht besser genutzt wurde, denn das hätte gereicht, um eine neue Referenz des aktuellen Blockbuster-Kinos zu werden. Dem Franchise wäre es zu wünschen, dass man sich beim nächsten Ausflug, der aufgrund des finanziellen Erfolges sicherlich folgen wird, entweder auf den Witz des Vorgängers zurückbesinnt oder mehr Mut an den Tag legt. Science-Fiction kann viel mehr bieten als Beziehungskisten zwischen Mensch und Vulkanier.

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