Prisoners (2013)

CineCouch Kritik Jan

Bei dem Namen Villeneuve mag der ein oder andere als erstes an die Formel 1 denken. Doch auch abseits der Rennstrecke kann dieser Name ein prickelndes (und womöglich deutlich nervenkitzelnderes) Erlebnis bieten. Denis Villeneuve versucht genau das in seinem US-Spielfilmdebüt und schart gleich einen illustren Cast um sich.

Die Familien Dover und Birch wollen eigentlich nur ein beschauliches Thanksgiving feiern. Doch dann verschwinden die beiden jüngsten Kinder und sind wie vom Erdboden verschluckt. Insbesondere Keller Dover (Hugh Jackman) macht sich auf die rücksichtslose Suche nach den Kindern, da die Arbeit des zuständigen Detectives Loki (Jake Gyllenhaal) immer in Sackgassen endet. Um die Kinder wiederzufinden, muss Dover alles hinter sich lassen, von seinem Glauben bis hin zu seiner Menschlichkeit.

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Villeneuve inszeniert sein US-Debüt gekonnt und trotz der lang anmutenden 150 Minuten Laufzeit durchgehend spannend. Nicht alle Elemente der Geschichte wirken notwendig, doch immerhin wird der Zuschauer so vor ähnliche Rätsel gestellt wie die agierenden Figuren.

Gerade die Figuren sind es auch, die den Zuschauer wohlwollend über den ein oder anderen Fehler im Drehbuch hinweg sehen lassen. Denn die Schauspieler halten, was ihre Namen versprechen. Hugh Jackman, der sich immer wieder von seinen anspruchslosen Rollen (wie etwa Wolverine) lösen kann, überzeugt als verzweifelter Vater auf ganzer Linie. Jede seiner Entscheidungen, so grausam einige zweifelsohne sind, lässt sich nur schweren Herzens verurteilen. Gyllenhaal brilliert mit seiner bisher wohl besten Leistung. Als vollkommen überarbeiteter Ermittler gibt er spürbar alles. Daneben sollten Terrence Howard und Paul Dano nicht vergessen werden. Lediglich die Frauenrollen bieten den Darstellerinnen keine vergleichbare Möglichkeit, ihre Klasse auszuspielen.

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Neben den herausragenden Schauspielern saugt der Film den Zuschauer förmlich mit seiner Atmosphäre ein. Die durchgehend farblich entsättigten, dunklen und kontrastreichen Bilder lassen die Welt völlig kalt und unerbittlich erscheinen – David Fincher lässt grüßen. Immer wiederkehrender Monsun-artiger Regen und viel Abgeschottenheit durch karge und enge Räume lassen den Zuschauer mit einem stetigen Unbehagen zurück. Die Musik tut ihr übriges dazu.

Prisoners bietet ein Erlebnis, das weit über die Laufzeit hinaus anhält. Durch fulminante Darsteller und einen gefälligen, stringenten Stil hat Villeneuve einen atmosphärisch dichten und emotional mitreißenden Thriller geschaffen, der SE7EN-Fans wärmstens ans Herz gelegt werden sollte.

PRISONERS in der IMDb
PRISONERS auf Letterboxd

TRAILER:

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2 Gedanken zu „Prisoners (2013)

  1. Schöne Kritik. Als Fan von “Sieben” war ich von “Prisoners” eher etwas enttäuscht. War ein wirklich guter Thriller, aber nichts was mich länger beürhrt/beschäftigt hat. Zum Thema der “elterlichen Selbstjustiz” hat meiner Meinung nach Park Chan-wook mit “Lady Vengeance” (das Finale in der Fabrikhalle) die Messlatte eh enrom hoch gelegt.

    • Ich hatte im Vorfeld schon viel Positives über den Film gehört, was nicht unbedingt immer förderlich für die Sichtung ist. Aber PRISONERS hat mich dann einfach von Anfang an mit seiner düster-bedrohlichen Atmosphäre gepackt.
      Und Park Chan-wook hat was Rache-Filme angeht, wohl alle erdenklichen Messlatten hochgelegt 😉

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