Non-Stop (2014)

CineCouch Kritik Jan

Man kennt es ja aus dem echten Leben: Ein Lehrer lehrt, obwohl er Jugendliche verabscheut. Ein Politiker regiert trotz seiner Angst vor der Macht. Und ein Air-Marshall geht seinen Beruf nach, obwohl er Fliegen hasst. Klingt logisch oder? Muss es aber eigentlich gar nicht. In Actionfilmen muss nicht alles stringenten Bahnen folgen, funktionieren können sie dennoch.

In NON-STOP spielt Liam Neeson eben einen solchen Air-Marshall, Bill Marks, der beim Start eines der großen Stahlungetüme in die Lüfte vollkommen verkrampft im Sitz der ersten Klasse zittert, Alkoholiker ist und wohl das ein oder andere Problem in seinem Privatleben nicht in den Griff bekommen kann. Und dann kommt auch noch ein Passagier auf dem Direktflug aus Amerika nach London auf die Idee, dem Marshall ein Ultimatum zu stellen: Entweder in 20 Minuten wandern 150 Millionen Dollar auf ein bestimmtes Konto, oder ein Passagier wird sterben. Verzweifelt beginnt eine Hatz in 16.000 Fuß Höhe, bis sogar Bill selbst als Terrorist gehandelt wird.

Einen Action-Thriller in einem fliegenden Flugzeug zu inszenieren, ist keine neue Idee. Ob mit trashigen und reißerischen Elementen wie Schlangen auf einem Transatlantikflug oder gar der Entführung einer Tochter, die Drehbuchautoren versuchen gerne, diese undenkbaren Szenarien auf die Leinwand zu bringen. NON-STOP bildet dabei keine Ausnahme, muss sich allerdings stark auf ein durchdachtes Skript verlassen. Denn schnell kann so ein Katz-und-Maus-Spiel in luftiger Höhe zur Farce verkommen. Regisseur Jaume Collet-Serra (mit dem Neeson bereits in UNKNOWN IDENTITY arbeitete) kann sich aber genau auf solch ein Drehbuch verlassen und muss sich damit auf ein gelungenes Pacing und inszenatorische Kniffs konzentrieren.

Denn abseits der spannenden und wendungsreichen Handlung mangelt es dem Film deutlich an interessanten Knotenpunkten. Die Beziehungen zwischen den Figuren bleibt schemenhaft, wenngleich meist nachvollziehbar. Neeson bekommt seinen spätestens seit TAKEN unverwüstlichen Charakter auf den Leib geschrieben, der psychisch am Abgrund steht und als Einzelgänger fungiert. Schade eigentlich, dass sich der einstige Charakterdarsteller nun durch Typ-Casting immer wieder in die gleichen Abenteuer stürzt. So wird schauspielerisch nichts vom Briten abverlangt. Als alternder Actionstar macht er dennoch eine erstaunlich vitale Figur. Neben ihm darf sich noch Julianne Moore als gebrochene Figur zeigen, die wenn schon nicht ihr Bestes doch immerhin das Nötigste tut, um nicht aus der Rolle zu fallen. Der restliche Cast wird seinen Rollenbildern gerecht. Schön immerhin, dass man mit Klischees mitunter bricht und somit falsche Fährten für den Zuschauer gelegt werden.

Collet-Serra inszeniert mit NON-STOP keinen Actionfilm, der seinem Titel vollkommen gerecht wird. Die Idee, alle 20 Minuten für einen Spannungsmoment zu sorgen, da eine Person um ihr Leben fürchten muss, funktioniert gut, wobei der Film in Echtzeit noch die nötige Menge an zusätzlichem Thrill gut vertragen hätte. So “läuft” Liam Neeson die Zeit nicht davon wie einem Jack Bauer, sie wird ihm schlicht und ergreifend weggenommen. Außerdem schafft es der Film nicht durchgängig die Spannungskurve im nervenzerreißenden Bereich zu halten, bis ein fulminantes Finale die paar Durchhänger vollkommen entschuldigt.

Mit dem klugen Plot-Twist verfällt NON-STOP allerdings doch zu sehr in Genre-Klischees. Die Bösen bekommen ihre von Pathos nur so überschäumende Rede, der sich der Held nicht weniger pathetisch entgegenstellen muss. Der launigen Action am Ende noch einen politischen Stempel aufzudrücken wirkt eher lächerlich, da das Geschehen auf einmal so durchsichtig ist, dem Zuschauer dennoch unnötig lang und breit erklärt wird.

Die psychische und zunehmend auch physische Tour-de-Force von Neesons Charakter wird im kleinen Rahmen und in der Kammerspiel-artigen Auflösung des Drehbuchs immerhin glaubhaft und wenn schon nicht realistisch doch immerhin stimmig vorgetragen. Der Film umschifft allzu große Logiklöcher und hält den Zuschauer bei der Stange. Für Fans von subtilerer Spannung und (überwiegend) handgemachter Action ist NON-STOP genau das Richtige.

dt. Kinostart: 13. März 2014

NON-STOP in der IMDb
NON-STOP auf Letterboxd

Trailer:

2 Gedanken zu „Non-Stop (2014)

  1. Das klingt jetzt in etwa so, wie ich es erwartet hätte und damit werde ich wohl einfach auf die DVD warten 😉

    Ich find’s für Neeson auch schon ein bisschen schade, dass er nur noch solche Rollen annimmt. War ja nett ihn in “Taken” mal ganz anders zu sehen, aber jetzt ist ja gefühlt jeder Film von ihm nur noch so Action-Gedöhns… aber solange sie ihm solche Rollen geben, wird er wohl weitermachen, bis er selber nicht mehr kann. Irgendwann schadet das Alter auch der Glaubwürdigkeit… sollte sich vor allem Harrison Ford mal gut überlegen 😀

    • Mir fällt spontan auch nur seine Rolle in CHLOE aus den letzten Jahren ein, die mal wieder in einer andere Richtung ging. Ansonsten spielt er nur noch einen Mentor oder den allein-gegen-alle Action-Helden.

      Ich denke, im Wohnzimmer wird der Film auch Spaß machen, wobei Action auf der großen Leinwand auch seine Vorteile hat 😉

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