A Million Ways to Die in the West (2014)

CineCouch Kritik Jan

Der Typ, der beinahe die mieseste Oscar-Moderation aller Zeiten gehalten hätte, wäre da nicht William Shatner aus der Zukunft geeilt, um das schlimmste zu verhindern. Der Typ, der an niemandem ein gutes Haar lässt. Und ja, der Typ “der uns TED gebracht hat” – Seth MacFarlane, der Mann hinter den erfolgreichen Cartoon-Serien FAMILY GUY und AMERICAN DAD, hat seinen zweiten Kinofilm gedreht. Ob er damit neue Fans gewinnen kann, dürfte bezweifelt werden.

Der Wilde Westen ist ein furchtbarer Ort – Schafhirte Albert (Seth MacFarlane) lässt den Geist der “frontier” jedenfalls vollkommen missen. Genauso wie jeden Anstand von Ehre und Courage. Der Feigling redet sich lieber aus einem Duell heraus, mimt mit seinem Kumpel einen Faustkampf, um eine Kneipenschlägerei zu überleben und sieht immer und überall nur Gefahren. Nachdem er auch noch seine Freundin Louise (Amanda Seyfried) an den Besitzer der hiesigen “Moustachery” Foy (Neil Patrick Harris) verliert, hat der Westen wirklich jegliche Anziehungskraft verloren. Doch dann taucht Anna (Charlize Theron) in der Stadt auf. Die Gattin des Revolverhelden Clinch Leatherwood (Liam Neeson) erkennt im melancholischen Albert einen Seelenverwandten und will ihm helfen, an Foy Rache zu üben und Louise zurückzuerobern.

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© Universal

Um gleich die größte Schwäche des Films abzuhandeln: Wie schon bei seinem Spielfilmdebüt TED schafft es MacFarlane nicht, der neben Regie und Hauptrolle auch das Zepter beim Drehbuch und der Produktion schwang, eine interessante Geschichte zu erzählen. Mit jeder Exposition einer Figur wird ihr Weg in der Handlung  bereits komplett aufgedeckt. Tatsächlich ist das Geschehen nur dadurch teilweise unvorhersehbar, da MacFarlane seine üblichen zotigen Witze zündet. Ob das Gag-Feuerwerk tatsächlich zwei Stunden lang zünden müsste, darüber kann man zumindest während des Films hinwegsehen.

Denn auf der anderen Seite ist die größte Stärke des Films seine enorme Dichte an Pointen. Wer bisher kein Fan von MacFarlanes Schaffen war, der wird beileibe nicht bekehrt oder eines Besseren belehrt. Die ersten Minuten des Films legen dessen Marschroute deutlich fest, ein Meta-Witz über das Leben im Western, gefolgt von Pipi-Kaka-Humor. Die Bandbreite der Einschlagstellen der Gags könnte größer kaum zu sein, von tief unter die Gürtellinie, bis hin zu wirklich ausgeklügelten Pointen ist alles dabei.

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© Universal

Insbesondere die Fülle an Anachronismen sorgt für grandiose Unterhaltung. Nicht nur, dass der Film im 19. Jahrhundert spielt, die Figuren aber allesamt mit der Schnauze aus unseren Tagen sprechen – ob nun die medizinische Versorgung beklagt oder über den Mythos eines lächelnden Cowboys auf einem Foto gegrübelt wird, hier hat sich MacFarlane tatsächlich Gedanken gemacht. Und angesichts solcher Kalauer sieht man auch gerne über wirklich obszöne Spielereien, die so ziemlich jegliche Körperflüssigkeiten beinhalten, hinweg.

Fast noch mehr erfreut sich der kenntnisreiche Zuschauer der Popkultur über zahlreiche Meta-Jokes und vor allem Cameo-Auftritte, die man am besten vollkommen unvorbereitet (Finger weg von der IMDb-Auflistung der Besetzung!) auf sich zu kommen lässt. Selbst die Darsteller sind sich nicht zu fein, Opfer der Gags zu werden – nun, zumindest mit Ausnahme von MacFarlane selbst, wie Matt Goldberg für Collider treffend zusammenfasst:

A Million Ways to Die in the West had me laughing, but MacFarlane is never willing to laugh at himself.

A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST ist wahrlich keine tiefgründige Komödie, MacFarlane nutzt das Western-Genre größtenteils als Möglichkeit, seine Witze unterzubringen, aber leider viel zu selten, um die Szenarien und Schemata des Genres von einer parodistischen Seite aus zu persiflieren. Wenn man jedoch mit der Erwartung an den Film herantritt, dass man zwei Stunden köstlichen Humor (à la FAMILY GUY) geboten bekommt, wird man keinen Grund zur Klage haben – A MILLION WAYS TO LAUGH IN THE WEST.

A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST in der IMDb
A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST auf Letterboxd

Trailer:

8 Gedanken zu „A Million Ways to Die in the West (2014)

  1. Ich bin bei MacFarlane immer so hin- und hergerissen. Manchmal lach ich mich schlapp, manchmal langweile ich mich zu Tode. Dennoch, seine Moderation bei den Oscars fand ich gut, für mich die beste der letzten Jahre. Werd mir A MILLION WAYS… wohl nächste Woche mal anschauen. Glaub zwar nicht, dass er mich vollkommen überzeugt, aber die Neugier zwingt mich einfach rein.
    Schöne Kritik übrigens.

    • Vollkommen überzeugt war ich am Ende auch nicht. Allerdings kann ich dem Film selbst im Nachhinein mit einigen darüber verlorenen Gedanken nicht viel vorwerfen. Eine Komödie muss eben beim Schauen witzig sein – und in Anbetracht dessen wurde ich grandios unterhalten.
      Vielen Dank für das Lob übrigens 😉

          • Reaktion auf deine Meinung zum Film: das ist sehr, sehr, sehr schade. Woran lags? Oder wird es sogar einen Text von dir geben?

          • Ich konnte nicht unter deiner Frage posten Jan (warum auch immer), deswegen hier der Versuch einer Erklärung:

            Der Humor des Films hat mich nie wirklich erreicht. Für mich wirkte der gesamte Aufbau einfach zu konzept- und vor allem zu lieblos. Die Pointen waren mir zu reduziert auf voll gekackte Hüte und Gerede über Genitalien. Auch die Cameos ließen mich größtenteils kalt, erzeugten aber wenigstens ein paar Schmunzler. Dazu empfand ich “A Million Ways…” als viel zu lang. Die fast 2 Stunden Laufzeit zogen sich manchmal wirklich in die Länge. Schon “Ted” hat sich nicht sonderlich viel Mühe gemacht mit der Generierung von Gags aber der sprechende Bär beruhte noch auf einer (meiner Meinung nach) einfachen aber gelungenen, weil gut funktionierenden Idee. Davon ist MacFarlanes Westernkomödie aber meilenweit entfernt. Die Geschichte und ihr Pacing versagte hier völlig. Ich saß im irgendwann im Kino und fragte mich, ob der immer noch bei der Einleitung ist, denn es kam mir nicht so vor, als ob sich eine richtige Entwicklung ereignet. Leider, leider, leider, leider, leider eine sehr große Enttäuschung für mich.

            Was jedoch wirklich amüsant war, war die etwas ältere Mutter, die mit ihren zwei Kindern neben mir saß und bei jedem Schweinkram auf der Leinwand pikiert zusammenzuckte. Ich hatte das Gefühl, wenn ich hier jetzt eine Minute lang Wörter wie Pimmel entgegen rufe, stirbt sie an einem Herzinfarkt. 😉

            Anbei noch eine kritische Äußerung zur FSK:
            Der Film ist ab 12. Ergo dürfen Kinder ab 6 in Begleitung eines Erwachsenen (siehe die oben genannte Mutter) den Film sehen. Das finde ich schon recht unpassend… oder bin ich vielleicht einfach zu konservativ?

  2. Ich versuche seit einer Woche meine Gedanken zu diesem Film zu “Papier” zu bringen. Ich bin gerade bei diesem Film echt sehr hin und her gerissen. Einiges hat mir echt gut gefallen, anderes wieder gar nicht… irgendwie hat der Film außer seiner Gag-Dichte nicht viel zu bieten. Da fand ich “Ted” doch um Welten besser… zumal man sich da MacFarlanes trauriges Schauspiel nicht antun musste. Stimmlich ist er ja super, aber schauspielerisch…

    • Ich kann dich schon verstehen, habe selbst einige Tage gebraucht, um mich zu diesem Text hinreißen zu lassen. Insgesamt aber konnte ich bei dem Film viel lachen, mehr wollte ich nicht. Das macht den Film nicht zu einem Meisterwerk (und MacFarlane ist nicht gerade Oscar-verdächtig ^^), aber doch zu einem vergnüglich-unterhaltsamen Abendfüller.

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