Daniels Son of #Horrorctober

horrorctober 2014

Dieses Jahr geht der Horrorctober bereits in die zweite Runde. Hier findet ihr alle wackeren Recken, die sich trauen, daran teilzunehmen, feinsäuberlich aufgelistet. Meine 13 Filme, die ich ins Rennen schicke, könnt ihr natürlich wie immer auch auf Letterboxd verfolgen. Im Laufenden werden dann jedem noch ein paar Zeilen gewidmet. Auf geht’s!

tara

#1 – TARANTULA (IMDb/Letterboxd)
(USA 1955, Regie: Jack Arnold)

Mein Oktober beginnt genau so furios, wie man sich das wünscht. Zwar mit einer Zweitsichtung, doch liegt diese derart weit zurück, dass ich mich sowieso an nichts mehr erinnern kann. Also, alles neu macht der Horrorctober!
Die Prämisse ist denkbar einfach: eifrige Wissenschaftler spielen nicht nur mit dem Feuer, sondern auch mit den Genen verschiedener Lebewesen, indem sie ihnen ein mysteriöses Serum spritzen. Als es zum Streit kommt, büchst doch tatsächlich die namensgebende Tarantula aus dem Laboratorium mitten in der Wüste aus und findet mit der ortsansässigen Bevölkerung ein wahres Festmahl vor, mit dem sie ihren schon nach wenigen Tagen um ein Vielfaches gewachsenen Körper nährt.
Was soll ich sagen. Auch fast 60 Jahre nach seinem Release weiß TARANTULA mit seiner denkbar einfachen Mad-Scientist-Nummer noch zu begeistern. Die vom Team um Jack Arnold erdachten Doppelbelichtungen, die Meerschweinchen und andere Tiere menschengroß auf die Leinwand bannen, haben auch nach über einem halben Jahrhundert immer noch nicht an Wirkung verloren. Alles in allem für mich eines der bedeutendsten Creature-Features der 50er Jahre. So darf’s gerne weitergehen!

tremors1

#2 – TREMORS (IMDb/Letterboxd)
(dt. “Im Land der Raketenwürmer”, USA 1990, Regie: Ron Underwood)

Nochmals raue Wüstenlandschaften, nochmals völlige Isolation hin zur Außenwelt. Scheint sich wohl anzubieten für Creature-Features. In dieser Lage findet sich auch das kleine Wüstenstädtchen “Perfection” wieder, als sie merken, dass sie ihr Heim auf einem Nest prähistorischer Würmer errichtet haben, die nun nach Chaos, Fleisch und Verwüstung dürsten. Der Name des Örtchens ist dabei keinesfalls Programm: Perfection ist ein elendiges Provinzkaff, voll von verquerten Freidenkern, Einsiedlern und passionierten Waffennarren, und so sind es auch die Charaktere, allen voran der grandiose, fast schon Overacting betreibende Kevin Bacon, die mit dem eigenen Überlebenskampf diesen Film ausmachen. Wie in vielen anderen Genreablegern Ende der 80er, Anfang der 90er darf der Humor nicht zu kurz kommen und so reiht sich eine erinnerungswürdige Szene voller Oneliner an die nächste. Garniert wird dieses Feuerwerk mit immer noch selbstgemachten Special-Effects, die einfach so viel cooler sind als ihre computergenerierten Gegenstücke.
TREMORS scheint landläufig nie in der ganz großen Liga des Subgenres mitzuspielen, wird jedoch immer wieder von Genrefans lobend erwähnt. Froh, ihn nun endlich gesehen zu haben, bin ich allemal!

the_hole_1

#3 – THE HOLE (IMDb/Letterboxd)
(USA 2009, Regie: Joe Dante)

Weiter geht’s mit der ersten Niete in meinem Programmplaner. Eine immer auf der Durchreise befindliche Familie hofft, nun endlich angekommen zu sein. Nur blöd, wenn sich im Keller ein vermeintliches Tor zur Hölle befindet, das im Anflug jugendlicher Neugier geöffnet wird.
Es fällt einem wirklich schwer, Aussagekräftiges über diesen Streifen zu Papier zu bringen. Denn neben mir, weiß selbst der Film, glaube ich, gar nicht so wirklich, wo er denn hin möchte. Die Dialoge und Charakterzeichnungen eines RTLII Teenie-Filmes, der wohl am ehesten sonntagnachmittags ausgestrahlt werden würde, Jump-Scares und atmosphärische Gruselmomente hingegen, die ganz klar von Joe Dantes Genrewissen zeugen. Und der Mann, immerhin Schöpfer der GREMLINS, weiß schließlich wie familientauglicher Gruselspaß funktionieren kann. Selbst die Anleihen bei RINGU sowie anderen Genrevertretern sind ganz nett inszeniert, können aber leider nicht über den bodenlosen Stumpfsinn dieses Drehbuches hinwegtäuschen. Das, was bleibt, ist ein Film zwischen den Stühlen: zu gruselig für Kiddies, zu fade für Horrorfans.

tucker-and-dale-vs-evil-film-review

#4 – TUCKER AND DALE VS EVIL (IMDb/Letterboxd)
(CA 2010, Regie: Eli Craig)

Gerade Fans der 80er wissen, dass Charme und Humor unglaublich gut mit Horror-Sujets vereinbar sind, wenn denn der richtige Ton getroffen wird. So hält mit dem leicht schrägen Hinterwäldler-Duo Tucker und Dale die Horrorkomödie auch in meinem Horrorctober Einzug. Eigentlich wollen die beiden als neue Besitzer einer abgeschiedenen Waldhütte irgendwo im Nirgendwo nur ihr Leben genießen. Bier trinken, in Ruhe fischen gehen und nebenbei ihr neues Traumschloss auf Vordermann bringen; ein Paradies auf Erden. Doch als sie mit einer Gruppe voller Großstadt-Teenager kollidieren, ist es vorbei mit der Beschaulichkeit, denn die sehen in den beiden nur wahnsinnige Hillbillies, die gern unwissende Fremde zum Zeitvertreib meucheln.
Der Streifen spielt im Grunde wundervoll mit den Genrestandards, die sich aus bekannten Cabin in the Woods-Flicks und Hinterwäldler-Horrorfilmen im Laufe der Jahre etabliert haben. Eingeflochten in eine Geschichte voller Missverständnisse ergibt sich so ein Genremix, den man in dieser Form bis dato nur sehr selten gesehen hat. Schade nur, dass an diesem Punkt das Drehbuch ins Spiel kommt und allen Ambitionen den Wind aus den Segeln nimmt. Auch wenn die Charaktere, wenn man sie denn überhaupt als solche bezeichnen kann, zwecks Komödie bewusst von der Stange gegriffen sind, so hätte man ihnen den Umständen entsprechend zumindest noch witzige, anstatt hirnlose Dialoge spendieren können. Leider also kein zweites SEVERANCE, schade!

Mitdiskutieren