CineCouch – Folge 78: Interstellar

Folge 78

Hallo zusammen! Seitdem das neue Projekt von Christopher Nolan angekündigt wurde, war das Internet ganz aus dem Häuschen vor Spannung und Vorfreude. Die ersten Teaser-Trailer kamen auf und begeisterten. INTERSTELLAR sollte Nolans erster Sci-Fi-Film werden. Etwas ganz Anderes also, verglichen zur vorherigen THE DARK KNIGHT-Trilogie. Unter anderem auch darüber sprechen Daniel, Niels und Michi im neuen Podcast. Wie so oft gehen die Meinungen auseinander und ihr dürft euch auf einige Überraschungen gefasst machen. Konnte INTERSTELLAR überzeugen? Was macht ihn besonders? Zeugt er vom Auf- oder Abgang von Nolans Karriere als einer der größten Regisseure in Hollywood derzeit? All das und noch viel mehr hört ihr hier. Viel Spaß!

INTERSTELLAR in der IMDb
INTERSTELLAR auf Letterboxd

3 Gedanken zu „CineCouch – Folge 78: Interstellar

  1. Schöner Podcast und beruhigend, aber auch etwas seltsam, dass viele so ihre Probleme haben den Film einzuordnen. Keiner scheint so richtig zu wissen, was er davon halten soll, oder zumindest eine klare Meinung zu haben.

    Ich persönlich mag einiges an dem Film sehr, finde anderes hingegen weniger gelungen, oder als Entscheidung fragwürdig. Beispielsweise gefällt mir, dass Christopher Nolan hier wesentlich mehr Humor und wesentlich mehr Emotion als sonst zulässt. Der Humor hat auch ganz gut funktioniert und ich musste das ein oder andere Mal sehr schmunzeln. Bei der Emotion hingegen bin ich etwas zwiegespalten. Da hätte er wahrscheinlich noch ein wenig üben müssen. In manchen Momenten wird das alles sehr echt und hat mich ziemlich bewegt, zum Beispiel als Cooper von der ersten Planetenmission zurückkommt und die Aufnahmen seiner Kinder sieht. Tragischer Stoff, großes Schauspiel, starke Szene! In anderen Momenten wirkt die Thematik der Liebe und Emotionen jedoch wie künstlich draufgesetzt. Da fällt auf, dass Nolan auf diesem Gebiet noch wenig Erfahrung hat und einfach zu viel will (z.b. Anne Hathaway’s Entscheidungen aus Liebe sind in keinster Weise nachvollziehbar oder glaubwürdig).

    Der Film schafft für mich jedoch etwas essenzielles für einen Blockbuster: ich konnte ihm beim schauen auf großer Leinwand vollkommen genießen ohne mich auch nur im geringsten zu fragen ob dieses oder jenes Sinn macht, logisch ist, ob da sonst irgendwie Probleme aufgetaucht sind. Rückwirkend hingegen tun sich jedoch einige auf! Zum Beispiel stört es mich sehr, dass in einigen Momenten schier unglaubliche Spannung herrscht, in andere hingegen (Stichwort große Welle) ausgelutschte Last Minute Dramaturgie gesetzt wird.

    Ist aber auf jeden Fall ein Film fürs Kino und ich überlege ihn mir noch mal anzuschauen, einfach weil die Schauwerte unglaublich waren und der Film eine Menge Spaß gemacht hat. Da etwas überladen ist, hoffe ich im zweiten Durchgang auch noch etwas weiter zu den essenziellen Themen durchzudringen.

    Abschließend noch etwas zu den gespaltenen Wertungen: sind die denn wirklich etwas wert? Ich habe immer das Gefühl da knallen blinde Hater auf blinde Fan Boys – die Wertung in der Mitte sagt also wenig aus.

    • Sorry, dass das so lange mit dem antworten dauert; wir sind leider gerade alle recht eingespannt durch Jobs, Bachelor-Arbeit und Filmfestival – dafür bekommst du eine lange Antwort 😉

      Je mehr Meinungen ich lese, desto mehr beschleicht mich das Gefühl, dass es einige essenzielle Punkte an INTERSTELLAR gibt, bei deren (ich nenne es mal) Existenz weitesgehend Übereinstimmung herrscht. Nur wird unterschiedlich beurteilt, wie schwer sie jeweils bei der Gesamtbetrachtung ins Gewicht fallen und ob man sie positiv oder negativ bewertet. INTERSTELLAR kann man scheinbar nur subjektiv wahrnehmen.

      So sprichst du etwa Humor und Emotionen an, zwei Dinge, denen sich Nolan hier eindeutig mehr widmet als in all seinen Filmen zuvor. Die Frage ist, wie man dies einordnet. Habe ich mir von Nolan Humor und Emotionen erhofft? Finde ich, dass er beides gut umgesetzt hat? Das sind zentrale Fragen, die ich persönlich klar mit nein beantworten würde. Nichtsdestotrotz kann ich absolut nachvollziehen, dass jemand anders dem klar widerspricht. Ähnlich verhält es sich z.B. mit der Optik: Entweder, ich werde von den Bildern beeindruckt, oder ich habe das Gefühl, diese schon aus anderen Filmen zu kennen, spüre also eine Übersättigung. Bei mir trat letzteres ein. Insgesamt war ich also nicht „im Film drin“, wie man so schön sagt, und hatte darum alle Zeit der Welt, mir bereits während der Sichtung Gedanken über Fehler, Unzulänglichkeiten und Plotholes zu machen. Wäre ich wie scheinbar viele andere Filmfans aber von INTERSTELLAR in den Bann gezogen worden, hätte ich mir diese Gedanken wohl nicht oder erst hinterher gemacht und hätte gesagt, dass der Film trotz seiner Macken funktioniert – alles subjektiv eben.

      Und welche Erwartungen habe ich an INTERSTELLAR überhaupt? Will ich den ultimativen Action-Blockbuster sehen, den intelligentesten Science Fiction-Film seit Kubricks 2001 oder das emotional überwältigendste Kinoerlebnis des Jahres? Kein Film der Welt kann das wohl alles im Gesamtpaket bieten. Und man beachte auch die Superlative, denn darunter geht es bei vielen Kinogängern beim Thema Nolan ja gar nicht mehr. Nur gut kann schon verdammt enttäuschend sein.

      Darum bricht man die Bewertung von INTERSTELLAR meist auf die eigene Erwartungshaltung herunter. Ich persönlich wollte einen Film, der mich zumindest auf gutem Niveau unterhalten, zum Nachdenken und Mitfühlen anregen kann. Leider ist nichts davon eingetroffen, meine Erwartungen wurden also enttäuscht und ich habe INTERSTELLAR ordentlich dafür kritisiert. Bei anderen stand vielleicht wie du auch schreibst das Kino-Erlebnis im Vordergrund und wer das bekommt ist zunächst mal recht zufrieden. Da hat erstmal niemand Unrecht. Klar ist nur, dass INTERSTELLAR weder der beste noch der mieseste Film aller Zeiten ist. Die Nuancen dazwischen wird man vielleicht erst mit ein paar Monaten oder Jahren Abstand und einer bis dahin gewonnen Objektivität genauer abstecken können, wenn man die von dir genannten Hater und Fans ein Stück weit ausschließt.

      • Yep!

        Für mich sind Filme ja einfach Hobby & Leidenschaft und obwohl ich Freude daran habe zu ergründen, warum mir Dinge gefallen/nicht gefallen, gibt es für mich zwei Ebenen: Die reine Wirkung (sehr wichtig für die Rezeption), also ob der Film mich mitreißen kann – das entscheidet erstmal darüber, ob ich ihn mag. Und dann halt, ob der Film einer zerpflückenden Analyse stand halten kann. Letzteres kann ersteres bei weiteren Sichtungen schmälern, deswegen schaffen Filme die ich wirklich toll finde es, mich ihre Fehler immer wieder beim Schauen übersehen/nicht wahrnehmen zu lassen! Gespannt, wie INTERSTELLAR beim 2. Mal wirkt 🙂

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