The Huntsman: Winter’s War

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© Universal Pictures


IMDb / Letterboxd / dt. Kinostart: 07.04.2016 / USA 2016, R: Cedric Nicolas-Troyan


Es war einmal… Diese Floskel erinnert mich und sicher viele weitere da draußen an die Geschichten, die von Mutter oder Vater abends im Bett vorgelesen wurden. Diese drei Worte kündigen eine abenteuerliche Erzählung an, mit verwunschenen Ländern und Wäldern, magischen Feen und Elfen, tapferen Rittern, schönen Prinzessinnen und bösen Widersachern: Märchen. Ihr Zauber scheint ungebrochen. Nachdem sich die Hollywood-Schmiede Disney jahrzehntelang um die Grimmschen-, Andersen- und sonstigen Märchen gekümmert hat und damit immense Erfolge feierte, sind die US-Studios wieder voll auf die fantasiegeladenen Geschichten eingeschossen. Trifft THE HUNTSMAN: WINTER’S WAR aber auch sein Ziel?

Nachdem sich 2012 gleich zwei Adaptionen des Schneewitchen-Märchens miteinander messen wollten, wurden klare Verhältnisse geschaffen. SNOW WHITE AND THE HUNTSMAN mauserte sich zu einem Fantasy-Epos mit vielen Anleihen an große Meilensteine des Genres, dass seit LORD OF THE RINGS längst kein Kassengift mehr ist. Nur rankten sich um die Produktion auch allzu weltliche Geschichten: Regisseur und Hauptdarstellerin verwickelten sich in eine Affäre, die dem Image von Universal offensichtlich nicht gefallen wollte. So beförderte man den Huntsman zum alleinigen Protagonisten und führt mit neuem Regisseur die Reihe fort. Mit Chris “Thor” Hemsworth hat man ohnehin ein starkes Zugpferd an den Karren gespannt.

The Huntsman© Universal Pictures

THE HUNTSMAN: WINTER’S WAR beginnt als Vorgeschichte zum nominellen Vorgänger. Die böse Hexe Ravenna (Charlize Theron) und ihre Schwester Freya (Emily Blunt) unterjochen durch List und Ravennas dunkle Magie Königreich um Königreich. Als Freyas uneheliches Kind durch die Hand des eigenen Vaters stirbt, erwecken auch ihre Kräfte. Verbittert und mit gebrochenem Herz wendet sie sich von ihrer Schwester ab und herrscht als grausame Ice Queen über die nördlichen Königreiche, indem sie Familien entzweit und die verwaisten Kinder zu ihrer Armee von Huntsmen ausbildet. Darunter Eric (Chris Hemsworth) und Sara (Jessica Chastain). Die beiden besten unter ihresgleichen verlieben sich ineinander, doch werden beim Versuch zu fliehen voneinander getrennt.
Jahre vergehen und das Königreich von Snow White ist erneut in Gefahr. Ravennas Spiegel wurde gestohlen und fiele er in die Hände der Ice Queen, so könne niemand mehr ihre Kraft eindämmen. So macht sich Eric widerwillig mit den Zwergenbrüdern Nion (Nick Frost) und Gryff (Rob Brydon) auf die Suche nach dem mächtigen Objekt.

Snow White, Huntsman, Ice Queen? Wie schon im Vorgänger muss man sich als Zuschauer der deutschen Fassung an den ein oder anderen englischen Namen innerhalb der Dialoge gewöhnen. Dass diese Namensgebung beibehalten wurde und man nicht auf die aus deutschen Märchen etablierten Übersetzungen vertraut? Nun, es ist nur ein kleiner Kritikpunkt (gleichzeitig aber auch Rechtfertigung für eben jene Begriffen in diesem Text).

Huntsman© Universal Pictures

Die Fortsetzung von SNOW WHITE AND THE HUNTSMAN ist Pre- und Sequel zugleich und rahmt die Handlung, bekannt aus dem Vorgänger, ein. Dabei gibt es ein Wiedersehen mit einigen bekannten Charakteren und Wesen ebenso zu bejubeln wie den Zuwachs an neuen Darstellern. Emily Blunt als neue Widersacherin darf nicht nur in extrem fantasievoll gestaltete Kleider schlüpfen, sondern auch in eine Bösewichtsrolle, die ihrer schauspielerischen Klasse gerecht wird. Abgesehen vom Ende, an dem ihre Freya allzu begriffsstutzig eins und eins nicht zusammenzählen kann, empfiehlt sich diese Ice Queen in für die Riege der nachvollziehbarsten und traurigsten Märchen-Bösewichte. Jessica Chastain bleibt ihrer Wahl von starken Frauenfiguren treu und darf als Sara ordentlich austeilen und glaubhaft lange dem erstaunlichen Charme eines Chris Hemsworth standhalten. Über diese prominenten Neuzugänge hinaus gibt es noch einige weitere Schmankerl zu entdecken, die hier aber unerwähnt bleiben sollen.

War SNOW WHITE AND THE HUNTSMAN vom eigenen Verständnis geleitet noch ein als Fantasy-Epos angelegtes Spektakel, so bleibt die Fortsetzung doch um einiges geerdeter. Große Schlachtszenen bleiben aus, dafür gibt das Drehbuch den Darstellern mehr Raum zur charakterlichen und zwischenmenschlichen Entwicklung. Insbesondere die Beziehung zwischen Ravenna und Freya erhebt sich zu tragischem Ausmaß, der beiden Charakteren sehr zuträglich ist.

Für ein Charakterdrama scheinen somit die wichtigsten Weichen gestellt, doch versteht sich THE HUNTSMAN: WINTER’S WAR doch eben besonders als Fantasy-Abenteuerfilm. Die Actionszenen sind rasant geschnitten und lassen Kampfchoreografien zumindest erahnen. Eine gewisse Grundspannung ist diesen Sequenzen durchaus spürbar, weil der Film in seiner Atmosphäre düster wirkt und früh andeutet, welche Konsequenzen für die Charaktere zu erwarten sind. Leider fand im finalen Schnitt nicht jede Entscheidung zur Perfektion, wodurch einige Szenen (z.B. bei den Kobolden) zerfasert und zerstückelt wirkt.

Während der Film insgesamt eine eher getragen-düstere Atmosphäre beschwört, ist das Skript immer wieder um humorige und romantische Spitzen bemüht. Gerade zu Beginn der Handlung will dieser Spagat nicht gänzlich gelingen und wirkt eher plump. Doch im Verlauf der Handlung und dem Zuwachs weiterer Weggefährten gelingt auch hier dem Film die Kurve zu einem amüsant-spannenden Kinoerlebnis – und das ist doch ein hehres Ziel.

Jan

2 Gedanken zu „The Huntsman: Winter’s War

  1. Oh… das klingt ja wider Erwarten doch ganz gut. Ich war ja sehr zwiegespalten, ob ich mir den anschauen soll oder nicht. Am ersten mochte ich ja eigentlich auch nur die Optik und die Story war so lala… weswegen ich mir erst recht nicht mit dem zweiten Teil sicher war, von dem ich auch nie wusste, ob er nun Prequel, Sequel oder was auch immer sein soll (also danke für die Aufklärung).

    Aber naja… hohe Priorität hat der Film jetzt bei mir auch nicht… 😉

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