Für Spoilerwarnungen und Entscheidungsfreiheit

CineCouch Essay Michi

Wir leben in einem Zeitalter der unablässig fließenden Informationen, durch den ständigen Medienkonsum dank Smartphone und Co. Jederzeit bietet uns das Internet die Möglichkeit sich mit nur wenig Aufwand über alles und jeden zu informieren, immer auf dem neuesten Stand zu sein und sich selbst zu bilden. Oft kann man der Informationsflutwelle der Medien gar nicht mehr entfliehen, aber das ist OK, das sind wir ja schließlich seit unserer Geburt gewohnt.

Was aber, wenn man ihr doch mal entkommen will, oder wenn man mal selbst entscheiden will, welche und vor allem wie viele Informationen man über ein Thema bekommt? Solche Eingrenzungen sind oft nicht möglich, da man einfach keine große Kontrolle hat, man ist ja schließlich nur ein User und benutzt das, was das Internet einem bietet. Will man aber beispielsweise einen Artikel über ein Thema lesen, ohne zu viele oder falsche Informationen zu bekommen, muss man ihn eigentlich selber schreiben.

Am gravierendsten ist dieses Problem beim Thema Film. Auf der einen Seite ist es ja toll, dass man immer über die neuesten Projekte auf dem Laufenden gehalten werden kann, dass es unendliche viele Hintergrundinformationen zu Schauspielern, Regisseuren, Drehs und Produktionsfirmen gibt und dass man auch nicht mehr zwangsläufig ins Kino muss, um die neuesten Trailer zu sehen. Das Interesse um Film und Fernsehen steigt ständig und das Internet, sowie natürlich auch jede Menge Zeitschriften und Magazine, passen sich dem an und bieten dem willigen Leser eine tolle Informationsplattform.

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©Tobis

Ich will mich aber oft gar nicht informieren. Mir reicht es ja schon lange aus, wenn ich den Regisseur, ein paar Schauspieler und die grobe Richtung des Films kenne. Meistens gucke ich mir dann noch den Trailer an, um einen Eindruck in die Stimmung und Machart des Films zu erhalten. Leider wird auch hier oft schon zu viel gezeigt. Glücklicherweise vergesse ich viele Spoiler, die ich mir beim Gucken der Trailer ja selber zufüge, relativ schnell wieder. Aber ein gutes Beispiel, bei dem ich mich im Nachhinein tierisch geärgert habe, war der Trailer zu THE BLING RING. Als ich den Film im Kino gesehen habe, merkte ich, dass der Trailer eigentlich schon alle wichtigen und interessanten Komponenten gezeigt hat. Den Kinobesuch hätte ich mir nach dem Trailer echt sparen können. Und dabei geht es mir nicht um das Ende des Films, oder den Ausgang der Geschichte, den sah man im Trailer nicht. Sondern es geht mir  um die wichtigen Momente, den Kern des Films und auch weiterhin um überraschende Wendungen und Entwicklungen. Selbst wenn es nur kleine Wendungen sind, die vielleicht für die Geschichte des Films nicht viel aussagen, möchte ich nicht um die Erfahrung gebracht werden, diese mitzuerleben, wenn ich einen Film zum ersten Mal sehe. Filme sind nichts anderes als emotionale Reisen, die dich für zwei Stunden aus der Realität entführen. Mir fällt es dann aber unglaublich schwer, wirklich richtig in eine Geschichte einzutauchen, wenn ich zu viel weiß und nicht unvoreingenommen an den Film rangehen kann.

Der Maßstab „zu viel“ ist dabei natürlich jedermanns Ansichtssache. Dazu vielleicht ein kleines Beispiel. Angenommen, ich weiß noch bevor ich ihn gesehen habe, dass sich in einem Film im Verlauf der Handlung ein Pärchen aus den zwei Hauptcharakteren bildet, was allerdings für den übrigens Film irrelevant ist. Wenn ich ihn dann gucke, warte ich nicht gespannt darauf, wie, wann und wo die Charaktere zusammen kommen, sondern bin mir schmerzlich im Klaren darüber, dass mir die eigene Entdeckung dieser Zusammenkunft genommen wurde. Den Film kann ich dann ja trotzdem noch gut finden und mich über ganz viele andere Sachen freuen. Aber trotzdem finde ich es immer besser, so wenig wie möglich vorher zu wissen und eben unvoreingenommen bei der Erstsichtung an einen Film rangehen zu können. Durch diesen Spoiler wird mir der Film zwar nicht wirklich verdorben, allerdings aber die Emotionsachterbahn der Erstsichtung verändert.

Stoker-5

Meistens sind Spoiler, wie auch in meinem Beispiel, auf die Handlung begrenzt. Mir geht es aber um mehr als das und ich finde, dass es genauso als Spoiler gilt, wenn man erzählt, wie brutal, unglaublich spannend, oder überraschend doch ein Film ist oder welche bestimmten Eigenheiten er hat. Denn damit wird bei mir unbewusst und ungewollt eine Erwartungshaltung gegenüber dem besprochenen Film gesetzt, die unterschiedlich ausgeprägt sein kann, aber leider dennoch da ist. So war ich zum Beispiel sehr froh, dass ich über STOKER kein Stück wusste (außer Regisseur und Schauspieler) und die dazugehörigen meisterhaften Kleinigkeiten neben der Handlung selbst entdecken konnte.

Bei der Zweitsichtung eines Films weiß man ja logischerweise, was alles passiert, aber kann den Film meist genauso genießen, wenn nicht sogar noch mehr. Ich achte dann zum Beispiel auf die Kleinigkeiten, die mir beim ersten Mal nicht aufgefallen sind oder freue mich darüber, dass ich die gleiche oder eine ähnliche Gefühle mit dem Film erlebe.

Ich finde, es muss für jeden möglich sein, wenn man es für sich selbst so entschieden hat, einen Film zum ersten Mal sehen zu können, ohne zu weit vorgreifend informiert zu sein. Deswegen bin ich über jede noch so sinnlose und kleine Spoilerwarnung froh, genauso auch über Trailer und Inhaltszusammenfassungen, die nicht viel verraten, sondern eben nur einen kleinen Vorgeschmack auf den Film machen. Spoilerwarnungen scheinen sich glücklicherweise mehr und mehr zu etablieren und bieten so jedem Nutzer ohne große Schwierigkeiten die freie Entscheidung, wie weit er sich informieren möchte.

Mehr zum Thema? Hier gibt es Jans Meinung zu Spoilern zu lesen.

2 Gedanken zu „Für Spoilerwarnungen und Entscheidungsfreiheit

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