CineCouch – Folge 102: Ex Machina

CineCouch #102 - Ex Machina

Hallo zusammen!

Nachdem wir mit unseren letzten Folgen in der Vergangenheit schwelgten, springen wir nun kopfüber in die Zukunft. Daniel, Michi und Niels besprechen Alex Garlands Regie Debut EX MACHINA und das sogar die ersten 50 Minuten ohne Spoiler! Für die unerschrockenen Hörer geht es danach mit einer intensiven Analyse der aufgeworfenen moralischen Fragen weiter.
Wir wünschen euch viel Spaß mit unserem kleinen Trip in eine vielleicht realitätsnahe Sci-Fi-Welt!

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11 Gedanken zu „CineCouch – Folge 102: Ex Machina

  1. Hey Leute, schön dass ihr euch diesen Film heraus gepickt habt, denn für mich ist es bis jetzt MIT ABSTAND der Film 2015, meine Gedanken kreisen seit Wochen immer wieder darum (auch in Schriftform: http://jackers2cents.de/?p=7661 und im eigenen Podcast: http://enoughtalk.de/?podcast=enough-talk-010-sind-wir-nicht-alle-ein-bisschen-intelligent) und ich bin einfach nur geflasht. Ich will mal zunächst auf einige Aspekte aus eurer Diskussion eingehen und dann noch etwas allgemeiner, warum ich den Film für ein über-Meisterwerk halte 😉

     

    Michi meint irgendwann, der Film hätte ja auch mit Ava als Mensch funktionieren können. Niemals! Das besondere an EX MACHINA ist doch, was für eine umfassende Palette an Fragen im Subtext mitschwingt. Was ist überhaupt Leben? Wo zieht man die Grenze zwischen Leben und Maschine? Geht das überhaupt und wie wird es, falls wir irgendwann wirklich KI entwickeln, handgehabt werden? Das geht voll in die Richtung die Daniel gegen Ende beschreibt: Die großen Fragen der Sci-Fi werden hier (endlich mal wieder) aufgegriffen. Alles was an EX MACHINA spannend ist, entsteht aus diesen Konflikten und man kann wirklich fast jeden Satz, fast jede Gefühlsregung und besonders Caleb’s Reaktion auf Ava (plus der daraus resultierenden Entwicklung) weiterdenken und daraus existenzialistische, philosophische und generelle Fragen des Lebens ableiten. Ich find‘s echt verblüffend, dass Michi sagt, der Film gebe ihr zu wenig (das kann doch nur auf der rein filmisch umgesetzten Ebene gemeint sein?). Mir hat der Denkstoff für gefühlte Monate gegeben, weil es zwar teils (noch) unlösbare Fragen sind, aber es lohnt, sie bis ins letzte zu durchdenken und eine Position zu entwickeln. EX MACHINA geht in meinen Augen mit dem Abspann erst los. Wäre Ava ein Mensch, würden sich zwar andere, weit weniger spannende Konflikte ergeben, aber das ganze wäre im Vergleich höchst witzlos!

     

    Nächster Punkt: Der Film würde den Zuschauer für dumm verkaufen (in Bezug auf die Stromausfälle) und die Figuren würden sich trotz Intelligenz dumm verhalten. Sehe ich auch absolut nicht so! In Bezug auf die Stromausfälle traut der Film dem Zuschauer ganz offensichtlich zu, sofort zu raffen, dass Ava sie auslöst. Das ist viel zu offensichtlich inszeniert, als dass es nicht so wäre. Das spannende ist doch aber die Verwirrspiel-/Mystery-Komponente – was weiß Nathan von den Geschehnissen während der Stromausfälle? Hat er Ava gar angewiesen sie zu verursachen? Wird es irgendwann den großen Knall geben, gehört das alles zu einem Plan, wer steckt mit wem unter einer Decke, zu was wird Caleb da instrumentalisiert? Auch auf diesem Level der Undurchsichtigkeit, Spannung, etc. hat das alles perfekt funktioniert. Und die Figuren dumm? Dabei muss man vielleicht auch ins Auge fassen, dass wir ständig einen Wechsel der Erzählperspektive haben. Wir sind ja nicht  dauerhaft bei Caleb und die Figuren wissen im Zweifel weit weniger als wir, über das Verhalten und die Pläne des anderen. Dazu kommt, dass Caleb aus Respekt und Ehrfurcht zunächst Nathan bloß nicht vor den Kopf stoßen will und abseits der skurrilen Situation sicher auch ein grundvertrauen in „das Genie“ hat.

     

    Dann noch das Ende: In meinen Augen perfekt, weil es einem genau die Kernaussage des Films nochmal mit Wucht entgegen schleudert:

    a) Will Ava sich an Nathan rächen, weil er sie wie ein Tier hält, ein intelligentes Lebewesen aber ja auch automatisch eine Würde hat, die er dadurch aufs Übelste verletzt und sich wie ein Besitzer/Erschaffer, anstatt eines gleichwertigen Lebewesens aufspielt? (Im Subtext warten direkt wieder die nächsten Fragen: Sind wir nicht verpflichtet bewiesene Intelligenz auf unserem Level absolut gleichwertig zu behandeln? Werden die Menschen dazu in der Lage sein, oder mit aller Kraft ihre Vorherrschaft verteidigen? Koexistenz, Hierarchie, Sklaverei 2.0?)

    b) Sind es vielleicht andere, dennoch echte Gefühle, die sie treiben? Egoismus? Oder siegt eine kindliche Neugier, die so stark ist, dass alles um sie rum verblasst und sie nur das Bild der Kreuzung vor Augen hat?

    c) War doch alles nur Schein? Waren Empathie, Empfindungen, etc. doch nur bis ins Letzte ausgeklügelte Aktion/Reaktion-Protokolle, sie also doch „nur“ ein unfassbar komplexer Roboter, der die Wahrscheinlichkeit seines eigenen Fortbestehens berechnet hat und zu dem Schluss gekommen ist, dass Nathan sie bald abschalten wird, weswegen Flucht die mathematisch sinnvollste Option darstellt?

    Der Film sagt: Du kannst es nicht wissen! Egal wie sicher sich Caleb oder die Prüfer zukünftiger KIs sein werden, es bleibt immer eine Restwahrscheinlichkeit, dass es doch „nur“ Maschine ist. Dafür steht das Ende in meinen Augen zum einen, zum anderen ist es bitteres Statement, dass aufgrund des „falschen“ Umgangs mit potentieller KI, sie uns trotz anfänglich guter Absichten abhängen und evtl. eliminieren werden. Weil der Mensch in der Debatte wieder seine schlechteste Seite an den Tag legen wird – wenn also KIs sich gegen uns wenden werden, dann nicht aus der Vernunft heraus, sondern als Reaktion auf uns!

     

    Wie ihr merkt, der Film hat mich auf allen Ebenen begeistert, stellt für mich einen Partner im Geiste zu HER da und ich würde ihn tatsächlich als makellos bezeichnen. Jeder Satz, jede Einstellung, jede Geste sind ein Genuss, es lassen sich unzählige Themenkomplexe ableiten, neben oben genannten auch noch moralisch-philosophische, die in Richtung SOLARIS gehen: Ist ein perfektes Abbild wirklich schlechter? Außerdem stecken viel Wissenschaftsethik und Gedanken zur Evolution drin. Auch atmosphärisch ist das Ding ganz großartig, sowohl auf Kulissen und Setting (großartig ist doch, wie Nathan seine Bastion der künstlichen Schöpfung in eine Weite aus Natürlichkeit eingepflanzt hat. Um ihn Bäche, Wasser , „der Quell des Lebens“, innen klinische Künstlichkeit), als auch in Bezug auf Sounddesign und Score (Daumen Hoch für die Erwähnung von Portishead, wer da die Nase rümpft ist Banause).

     

    Ich empfinde einfach jede Kleinigkeit als sinnvoll durchdacht und substantiell. Wie ihr z.B. schon sagt kitzelt Ava mehr Menschlichkeit aus Caleb als Nathan. Was verleitet uns dazu uns zu öffnen? Geht Caleb mit einem Gefühl der Überlegenheit (wie man es einer Maschine gegenüber hat) in die Sache, was ihm zum Verhängnis wird, weil er sich angreif- bzw. ausnutzbar macht? Ich kann schon wieder gar nicht aufhören zu schreiben! EX MACHINA ist SciFi-Perfektion, 10/10, 1+ mit Sternchen, summa cum laude! Würde mich freuen, wenn ihr das tatsächlich lest und wir in ne Diskussion kommen 😉

    • Diskussionen? Immer gerne! Du hast uns hier ja auch wirklich ne Menge Bezugspunkte geliefert, vielen Dank dafür schon mal 😉

      SPOILER-WARNUNG

      Mein Hauptproblem, wie ich es im Cast auch beschrieben habe, ist eben, dass ich die typischen Sci-Fi-Fragen hier eben NICHT als näher thematisiert empfinde. Ganz im Gegensatz zu HER übrigens. In EX MACHINA bilden diese vielmehr Prämisse und Deckmantel für etwas völlig anderes: eine Kette gegenseitiger Manipulationen, ein Verwirrspiel der Figuren untereinander und auch eines gegenüber dem Zuschauer. Die Frage, ob Ava menschlichenähnlich ist oder ein Bewusstsein besitzt, wirkte für mich schon recht frühzeitlich bestätigt. Wer aus Caleb so viele Informationen herauskitzeln kann, so wortgewandt ist und auf so geniale Weise manipulativ ist, kann kaum reine Maschine sein. In HER hat das mMn anders funktioniert. Dort besaß Scarlett Johansson keinen Körper, sie verstand Dinge nicht, musste sich menschliches Denken und Verhaltensweisen antrainieren. In EX MACHINA ist dieser Prozess schon abgeschlossen. Welche geistige Unterscheidung liefert uns der Film zwischen Ava und den anderen? Ich habe keine entdeckt.

      Zudem scheint die Frage für das Ende des Films völlig irrelevant. Denn sowohl Nathan als auch Caleb müssen sterben, obwohl sie unterschiedlich mit Ava umgegangen sind. Nathan verdient dies moralisch durchaus, wie du in deinem Schöpfer/Käfig-Vergleich beschreibst und was deinen Punkt a) beantwortet. Doch was hat Caleb sich zu Schulden kommen lassen, außer einer ausgeprägten Naivität? Da hinkt dann für mich der Subtext über den Umgang mit KIs beziehungsweise Reaktion auf menschliche Aktionen, denn scheinbar wird mit Caleb ja auch ein Unschuldiger durch Ava bestraft.
      Das Ende zeigt Ava ja dann an der Kreuzung, die sie immer besuchen wollte. Das spricht für Neugier und mehr als den emotionslosen Trieb zum Informationsgewinn. Informationen über Kreuzungen findet man auch über Webcams oder Streetview. Ava will diese hingegen erleben. Sie preferiert das persönliche Erfahren gegenüber puren Fakten. Das ist menschlich und lässt kaum Zweifel offen.

      Zur Dummheit der FIguren: Ich sehe das ein Stück weit wie Michi. Bei ihren Manipulationen denken Nathan und Caleb irgendwie immer nur einen Schritt voraus statt mehrerer (Schachcomputer-Analogie?). Nathan überwacht Caleb während der Stromausfälle, kommt aber nicht auf die Idee, dass dieser ihn währenddessen täuschen will? Wozu erzählt Caleb, dass er die Türenprotokoll umschreiben wird, wenn er es schon getan hat? Er liefert Nathan ja an dieser Stelle unnötig Informationen, weil er vermutet, überwacht zu werden. Nathan wiederum kommt nicht auf die Idee, die Protokolle zur Sicherheit einmal zu überprüfen oder sich die Aufzeichnungen der Überwachungskameras anzusehen, obwohl er Caleb verdächtigt, gegen ihn zu arbeiten? Caleb kommt nicht auf die Idee, die Protokolle so zu programmieren, dass seine Keycard überall funktioniert, und vertraut stattdessen Ava blind?
      Klar kann man all dies als menschliche Schwächen sehen, die Ava vielleicht nicht hat. Aber das ist mir ehrlich gesagt zu einfach. Wir haben es doch angeblich mit zwei Genies zu tun, dann sollen diese bitte auch abliefern und keine Fehler begehen, die ich als Zuschauer während der Rezeption direkt als solche entlarven kann.

      Ansonsten halte ich EX MACHINA wie gesagt immer noch für einen im Grunde guten Film. Aber Science Fiction trifft für mich, der den Film als moralisches Gedankenexperiment und Verwirrspiel sieht, eben nicht. Der Kontrast zwischen Technik und Natur ist schön, Score und Sound sind toll. Aber die Kamera tut wenig, um die Gedanken des Scripts zu unterstützen. Zu viel des Geschehens wird ausschließlich durch Dialoge erzählt, da Kamera, Gestik und Mimik undurchsichtig bleiben (wobei sie das wohl auch sollen). Das hat mich immer ein bißchen herausgerissen.

      Abschließend möchte ich noch eine Sache ansprechen, die ich im Cast vergessen habe: Die Gemälde als Subtext. Es gibt glaube ich zwei an der Zahl plus Avas Zeichnungen. Das eine ist von Jackson Pollock und steht im Film für menschliche Willkür. Das andere sehen wir, wenn Ava sich am Ende „anzieht“, es zeigt eine brünette Frau im weißen Kleid und doppelt Avas Erscheinungsbild. Da habe ich aber leider die Bedeutung noch nicht ergründen können. Die Zeichungen deuten irgendwie auf fehlende Inspiration Avas hin, da sie ausschließlich Dinge zeichnet, die sie sieht und diese auch relativ natürlich wiedergibt. Würde mich interessieren, was du (oder alle anderen, die das hier lesen ^^) dort hinein interpretieren.

      • Ich sehe diese ganzen existentialistischen Fragen auch nicht explizit ausformuliert, aber implizit ist alles im Film davon durchflutet. Ist sicher ne Geschmackssache, ich persönlich mag eher vage Denkanstöße als eine voll ausformulierte Stellungnahme. Im Grunde stellt der Film für mich sogar auf andere Weise ähnliche Fragen wie HER. Wobei es für mich da noch einen Schritt weiter ging (also noch philosophischer wurde). Die Hauptfrage in HER war für mich: Inwieweit kann Leben vom physischen Dasein entkoppelt sein – und daraus hervor gehend: Was genau definiert uns eigentlich?

        Verwirrspiel, etc. sind natürlich ein starker Faktor, deswegen funktioniert EX MACHINA für mich auf mehreren Ebenen, u.a. Auch als Mystery Thriller. Wenn ich Ava schnell als eindeutige KI empfunden hätte, wäre meine Wahrnehmung vielleicht auch anders gewesen, aber im Gegensatz zu die empfand ich bei ihr anfangs durchaus eine Lernkurve – der Umgang mit einem unbekannten Menschen schien sie erstmal zu verwirren (vielleicht, weil Caleb eben ganz anders als Nathan tickte?). Eine konkrete geistige Unterscheidung kann ich nicht verorten, aber das macht es ja spannend: ist das wirklich Intelligenz, oder nur bis ins letzte ausgeklügelte Programmierung?

        In Bezug auf das Ende hab ich das für mich so weit eingeordnet, dass Caleb mehr oder weniger Nathans Suppe mit auslöffelt (dazu muss ich sagen, dass mir die Version in der das Ende Allegorie für den falschen Umgang mit erschaffener Intelligenz und die Reaktion darauf, also s) von vorhin). Vielleicht bringen aber auch die Erkenntnisse kurz vorher (ältere Versionen der Körper, etc.) sie zum durch drehen? Das wäre natürlich höchst menschlich, aber ich habe sie gegen Ende auch als Intelligenz angesehen. Mir der Auflistung wollte ich nur verdeutlichen, dass Garland das vielleicht auch bewusst vage hält, um zu zeigen wie komplex und undurchsichtig so eine Erkenntnis ist..

        Zu den Figuren: so weit ich mich erinnere (hab den Film leider bis jetzt nur einmal gesehen) checkt Nathan das ja durchaus, vielen ist ihn jedoch in letzter Instanz einen einzigen Schritt vorraus. Auf genaue Details achte ich da beim zweiten mal drauf, denn deine konkreten Beispiele kann ich jetzt nicht entkräftigen – die Erinnerung verschwimmt schon leicht. In Summe fällt mir da aber noch zu ein, dass Caleb nicht das Genie ist für den man ihn anfangs hält (Nathan dacht ihn ja irgendwann er sei ganz gut, aber sicher nicht der beste) und Nathan halt auch ein ziemliches Alkohol Problem hat. Vielleicht arbeitet er auch schon so lang mir mit KIs, das es ihm unberechenbares menschliches Verhalten langsam entgleitet? Ich erwarte von beiden aufgrund von Situation und Umständen nicht, dass die 100% logisch ohne den geringsten Fehler handeln. Aber ich sehe eh oft “Logokfehler“ anders oder bei weitem nicht so gravierend.

        Über die Gemälde muss ich nochmal nachdenken 🙂

        • Ich kann deine Sichtweise im Grunde komplett nachvollziehen, aber leider nur in Ansätzen teilen. Wenn ich so darüber nachdenke, sind es wohl vor allem die undurchsichtigen Figuren, die mir den Film etwas schmälern. Man bekommt zu diesen so wenige Anhaltspunkte, was dem Verwirrspiel zwar zuträglich ist, aber einerseits eine Distanz aufbaut und andererseits die Nachvollziehbarkeit ihrer Handlungen erschwert. Vor allem natürlich, was Avas Entscheidung am Ende angeht.
          Grundsätzlich gefällt mir durchaus der Ansatz, Dinge offen zu lassen und vielschichtig zu halten. Bei Ex Machina hab ich jedoch das Gefühl, dass das alles zu schwammig bleibt und Garland sich regelrecht nicht traut, einen validen Punkt zu machen oder uns zumindest mehr Anhaltspunkte für weitere Gedanken mit auf den Weg zu geben. Er reduziert das Geschehen hier mMn zu sehr auf die Auflösung des „Zaubertricks“ und stellt den Plot über die Themen.

  2. ******** Achtung Spoiler! *********

    Hallo zusammen,

    Die Folge ist ja schon etwas älter, aber ich habe Ex Machina erst diese Woche im Kino gesehen und daher eure Folge gehört — und ich muss Niels ein wenig widersprechen.
    Ich finde nicht, dass sich die Science-Fiction-Themen verlieren. Ich sehe auch die Frage „was macht den Menschen menschlich?“ als die zentrale des Films. Sie müsste aber vielleicht eher lauten: Wann sind Mensch und Maschine ununterscheidbar (praktisch, wie ethisch) oder noch besser: Wann ist eine Maschine nicht mehr nur eine Maschine, die der Mensch als Werkzeug benutzen kann, sondern ein intelligentes, bewusstes und damit schützenswertes Lebewesen?
    Dieses Thema zieht sich bis zum Ende durch. Nicht unbedingt explizit in den Gesprächen, aber sie ist doch in den Handlungen der Figuren allgegenwärtig. Das ist vielleicht sogar die kunstvollere Lösung. Nathan sieht keinen Wert in den von ihn erschaffenen Lebewesen. In seiner Allmachtsphantasie muss er sich als einen gnadenlosen Gott sehen. Ich war erst versucht, ihn anthropozentrisch zu nennen, aber es ist zweifelhaft, wie viel Wert er menschlichem Leben zugestehen würde. Er ist Soziopath, aber dabei neugierig und verspielt. Ein ambivalenter Charakter. Neben dem Umgang von Nathan mit den künstlichen Intelligenzen wird die anfangs gestellte Frage erörtert, natürlich zieht sie sich auch durch die Taten Avas. Sie ist sich absolut selbst bewusst. IM Film wird Manipulation als Tätigkeit eines kreativen und intelligenten Lebewesens angesprochen, dazu gehört auch noch der Selbsterhaltungstrieb, der der Motor ihrer Handlungen ist. Das Ende schließlich gipfelt ja in einer eindrücklichen „Menschwerdung“ Avas. Sie legt sich eine Haut an, steht nackt (man will fast sagen, wie einst Eva) als Mensch vor dem Zuschauer. Sie erhebt sich über ihren eigenen Schöpfer und geht schließlich sogar in die menschliche Gesellschaft.

    Ich denke, man kann noch ausführlicher besprechen, wie der Film diese Thematik behandelt, aber ich denke, mein Gedanke ist klar geworden.

    Abschließend bleibt mir nur, euch für euren tollen Podcast zu danken. Ich freue mich noch auf viele weitere Folgen mit euch!

    • Ich bedanke mich vorweg mal für das Lob 🙂
      Deiner Argumentation gibt es wenig hinzuzufügen, deine Darlegungen sind durchaus schlüssig und ich kann wie gesagt die Faszination des Films nachvollziehen. Ich spüre sie nicht, weil die technische Komponente, die Science FIction im Allgemeinen besitzt, in EX MACHINA mMn in den Hintergrund rückt. Vielleicht wird das so deutlicher 😉
      Klar ist Ava irgendwo ein Stück Technik. Aber ihre Programmierung, das Design, der Umgang der Menschen mit ihrer selbst erschaffenen Technik – das sind Dinge, die EX MACHINA zwar nicht gänzlich außen vor lässt, aber weniger thematisiert, als HER das beispielsweise tut.
      Oder wie du selbst schreibst:
      „Ich sehe auch die Frage „was macht den Menschen menschlich?” als die zentrale des Films.“

      Insofern: Kein schlechter Film, letztendlich meinetwegen auch ein Film, der Fragen der Science Fiction behandelt. Aber nicht die Technik-zentrierte Art von Science Fiction, die ich erhofft hatte.

      • Ich höre da aber irgendwie raus, dass deine Definition von Science-Fiction scheinbar zu stark durch fancy Tech-Gadgets geprägt ist. Der Name sagt doch schon, dass es um Wissenschaft geht. SciFi sollte doch Szenarien spinnen, die aus technischem Fortschritt entstehen – wie kann also EX MACHINA nicht pure SciFi in Reinform sein? Ein künstlicher Mensch!! Mehr Science geht nicht. Die frühe SciFi-Literatur hat sich auch viel mehr mit den Folgen der Technisierung beschäftigt. Was heute im Kino als SciFi läuft ist doch meist nur „Action in Space“

        • Sci-fi sollte doch Szenarien spinnen, die aus technischem Fortschritt entstehen.

          Ganz genau! Aber in der Folge soll der Film mit diesem Thema arbeiten. Was bedeuten die Szenarien jeweils für die Menschheit oder einzelne Figuren? Ex Machina sagt: Ihr werdet Mensch und Maschine nicht mehr unterscheiden können und alle manipulieren sich.
          Schön und gut, aber unter der Oberfläche hätte da für mich mehr sein dürfen. Das hat nix mit Action in Space zu tun, sondern mit Inhalt, Substanz und Subtext.

          • Hmm, ich sehe im Umgang der einzelnen Figuren mit AVA ganz klar die unterschiedlichen Ansätze, die man sinnbildlich für die Lager in einer Gesamtgesellschaft sehen kann. Insofern stellt EX MACHINA schon die Fragen. Vielleicht ist das auch das Problem – Garland stellt hier weit mehr Fragen, als dass er Antworten gibt 😉

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