#MARCHialArts – Niels & Michi

MARCHialArts

Da wir, Niels und Michi, im Grunde immer Filme gemeinsam schauen, macht es kaum einen Sinn getrennt darüber zu berichten. Im Folgenden beschreiben wir jeweils kurz unsere Meinungen zu den Martial Arts-Filmen, die wir im März schauen. Hinweise zur Aktion gibt es auf der Hauptseite.

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#01 – UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING
(USA 2012, Regie: John Hyams)

Michi: Das neue Werk von John Hyams hat absolut nichts mehr mit dem UNIVERSAL SOLDIER von 1992 zu tun, auch wenn Van Damme und Lundgren (mein einziges Highlight im Film) dabei sind und es thematisch irgendwie um „Klone“ geht. Die Geschichte soll mit großen Ellipsen und so wenig Informationen für den Zuschauer wie möglich Spannung erzeugen, langweilt stattdessen und macht letztendlich auch überhaupt keinen Sinn. Der Film will hyper-intelligent und künstlerisch sein, macht dabei ganz viel falsch und kann als Ganzes nicht überzeugen. Da kann auch Adkins mit seinen atemberaubenden Kampfsportfähigkeiten nichts mehr retten.

Niels: Im Wesentlichen muss ich Michi zustimmen, was aber auch teils daran liegt, dass der Filme entgegen meiner Erwartung eben keine stumpfe 80er-Action mit Alibi-Story ist und sein will. Problematisch ist die schauspielerische Limitierung und Leistung aller Beteiligter, vielleicht mit Ausnahme des unterhaltsam überzeichnet spielenden Lundgren. Die bewusst verwirrend inszenierte erste halbe Stunde bietet einige interessante optische Stilmittel und erzeugt Atmosphäre. Als dann jedoch irgendwann klar wurde, dass all die Fragmente am Ende kein Ganzes ergeben werden, verlor mich DAY OF RECKONING.
Letztendlich fühlt er sich auch zu sehr wie ein B-Movie an: Eine Verfolgungsjagd über die immer gleiche Straße mit dem immer gleichen Auto im Gegenverkehr wirkt unfreiwillig komisch, das Pacing ist holprig mit viel Leerlauf und zu wenigen (zugegebenermaßen aber gelungenen) ultraharten Actionpassagen. Es könnte sich dennoch lohnen, Hyams auf dem Zettel zu behalten.

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#02 – NINJA: SHADOW OF A TEAR
(dt. “Ninja – Pfad der Rache”, USA 2013, Regie: Isaac Florentine)

Hier waren wir uns ziemlich einig. Ohne den Vorgänger gesehen zu haben, aber mit ein paar Eckdaten darüber im Kopf, erwarteten wir einen unterhaltsamen Kampfsportfilm und wurden nicht enttäuscht. NINJA: SHADOW OF A TEAR kann mit gut gefilmten und recht abwechslungsreichen Kampfszenen überzeugen, die Handlung ist dabei banal und wirklich auch nur Nebensache. Adkins kriegt in seiner Rolle als Meister Casey am laufendem Band die Möglichkeit seine überragenden (und auch sehr anschaulichen) Fähigkeiten in Szene zu setzen und zeigt viel Potential für eine Zukunft als Actionheld. Wer durch beeindruckende Kämpfe gut unterhalten wird und auf eine schlaue Story so gar keinen Wert legt, ist mit dem zweiten NINJA-Teil sehr gut bedient. In Sachen Martial Arts-Filme erfindet er das Rad nicht neu, aber das was er macht, macht er gut.

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#03 – YI DAI ZONG SHI
(dt. “The Grandmaster”, RC 2012, Regie: Wong Kar Wai)

Niels: Der Eröffnungsfilm der Berlinale 2013 überzeugt optisch auf ganzer Linie. Die hyperrealistisch inszenierten Kampfsequenzen überwältigen, sind ästhetisch originell und beeindruckend umgesetzt worden und stecken voller kleiner hübscher Details wie Schneeflocken, Dampf und Regentropfen.
Leider gelingt es Wong Kar Wai nicht, abseits dieser Höhepunkte für Spannung zu sorgen. Die Lebensgeschichte Ip Mans erzählt er so fragmentiert und mit Nebenplots anderer Figuren durchsetzt, dass man als Zuschauer des Öfteren den Überblick über Zeit und Handlungsstränge verliert. Die Charaktere bleiben blass, viele Szenen wirken überflüssig und bauen nicht schlüssig aufeinander auf. Schade um die grandiose Kameraarbeit!

Michi: Dem kann ich nur zustimmen. Leider reicht die tolle Arbeit auf der visuellen Ebene nicht aus, um die Fehler auf der inhaltlichen Ebene sowie bei der Erzählstrukur zu verschleiern. Ich persönlich hatte große Probleme mit der unchronologischen Erzählweise, da sie mich immer, wenn zwischen den Orten und Zeiten gesprungen wurde, total aus dem Film gerissen hat. Gerade baut sich eine schöne Atmosphäre auf und ich vertiefe mich in die Handlung und Charaktere – Und schon wechselt der Film plötzlich zu anderen Figuren, ohne dass ich Motivation oder Sinn dahinter erkennen kann.

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#04 – GING CHAT GOO SI 3: CHIU KUP GING CHAT
(dt. “Police Story 3 – Supercop”, HK 1992, Regie: Stanley Tong)

Niels: Es begab sich zu einer Zeit, da prügelte ein kleiner lustiger Chinese alles kurz und klein und verband Kung Fu-Filme mit den Action-Komödien Hollywoods. Dieser Mann hieß Jackie Chan. Er wurde später erst sehr berühmt und erfolgreich, später belanglos und lebt vermutlich glücklich und zufrieden bis ans Ende seiner Tage.
POLICE STORY 3 erschien Anfang der 90er, als Jackie Chan noch auf der Höhe seine Schaffens war. Die Story des Films ist nicht der Rede wert, viele Lacher sind arg klamaukig und die Produktion wirkt teils sehr billig. Dennoch macht der Film vieles richtig, denn Jackie Chan hat einfach entwaffnendes Charisma und die Action gerade gegen Ende des Films hat sich gewaschen: Die Stunts, teils Hommagen an Buster Keaton und Co, reichen von klassischen Martial Arts-Prügeleien bis hin zu Sprüngen mit dem Motorrad auf einen fahrenden Zug oder Menschen, die an einem Helikopter hängen. Kein Meisterwerk, aber ein riesiger Spaß und ein Muss für Action-Fans!

Michi: Ja und nein. Klar, die Stunts sind wirklich hervorragend, gerade wenn man bedenkt, dass Chan alles davon wirklich gemacht hat und Kopf und Kragen riskiert. Immer und immer wieder. Aber zwischendurch waren mir die Actionszenen zu “zappelig”. Vielleicht bin ich einfach anderes gewohnt und konnte sie deswegen nicht so wertschätzen, jedenfalls hatte ich manchmal das Gefühl, dass ich sich bekämpfenden Heuschrecken auf Speed zugucke. Damals war das einfach anscheinend so. Und leider zündete der (für mich) dumme Klamauk auch überhaupt nicht. Eher war ich schockiert, was für einen dämlichen Charakter Chan spielen musste, er scheint mir seinem Talent einfach nicht gerecht. Den Film kann man sich auf jeden Fall angucken, begeistert bin ich aber nicht.

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