CineCouch – Folge 82: Snowpiercer

CineCouch #82 - Snowpiercer

Hallo zusammen!

Wenn wir mal ehrlich sind, mag niemand wirklich Züge oder in ihnen fahren. Wie wäre das also erst, wenn die ganze post-apokalyptische Welt ein Zug in unendlicher Fahrt wäre? So geht’s zu in der komödiantischen Action-Endzeit-Gesellschaftsdrama-Parabel SNOWPIERCER! Wie das international produzierte Epos aus der südkoreanischen Hand Bong Joon-Hos dies alles in sich vereint und ein vernünftiges Ganzes entsteht, darüber sprechen Niels, Paul und Michi. Und da der Film so viel Gesprächspotential bietet, dauert es dieses Mal auch etwas länger, vergebt uns. So oder so wünschen wir euch eine besinnliche und wie im Film verschneite Weihnachtszeit und viel Spaß beim Reinhören!

SNOWPIERCER in der IMDb
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13 Gedanken zu „CineCouch – Folge 82: Snowpiercer

  1. Hab den Podcast noch gar nicht zu Ende gehört, aber vorweg schonmal zwei kurze Gedanken:

    1. Freut mich, dass SNOWPIERCER euch auch zu einer laaangen Diskussion motiviert hat – wir haben den ja auch besprochen und unter 2h wäre das nicht gegangen :)
    2. Diese Übersetzer-Devices werden ja teilweise als „Logikloch“ tituliert. „Warum reden die manchmal dadurch und manchmal nicht?“. Aber achtet mal, falls/wenn ihr den Film das nächste mal schaut, darauf, wie sich die Kommunikation verändert wenn Curtis und Namgoong sie nicht benutzen – das sind dann nämlich eher Momente, wo sie vor sich hin ins Leere sprechen ODER die gesagten Dinge gar nicht so richtig zueinander passen. Für mich hat das nochmal schön gezeigt, wie sehr sie beide in ihren Welten/Plänen versunken sind.

    Und nun höre ich weiter :)

    • Nach der Zweitsichtung ist SNOWPIERCER für mich wirklich ein Jahres-Highlight geworden, gerade weil er so reichlich Gesprächsstoff bietet.
      Deine Erklärung zu den Übersetzern finde ich interessant, werde ich auf jeden Fall mal drauf achten. Für mich wurden die (wie ich glaube ich im Podcast auch sage) mit so einem Desinteresse behandelt, dass ich es als Zeichen gewertet habe, dass es hier nicht um logische und nachvollziehbare Science-Fiction geht. So eine Art „Deal with it“ von Bong Joon-ho an uns ;)

      • Was den Science-Fiction VS Gesellschaftsparabel Aspekt betrifft bin ich voll bei euch! Der Film muss fast durchweg als (teilweise groteske) Allegorie gelesen werden. Ich hatte nur vor meiner Zweitsichtung diesen Übersetzer-Kritikpunkt gerade gelesen und daher ist mir das aufgefallen. Besonders am Ende als die beiden vor Wilfords Abteil sitzen, reden sie eigentlich nur noch abwechselnd Monologe vor sich hin.

  2. Moin,
    habe den Film vor einigen Monaten gesehen, und ich fand’s schön den nochmal so gut durchdiskutiert zu bekommen ;-)

    Ich weiß nicht ob ich der einzige bin, aber ich finde koreanische Filme, vor allem die Thriller/Krimi Filme wahnsinnig schwer zu gucken, weil mir die Kampf/Actionszenen ziemlich unter die Haut gehen. Ich glaube es liegt an der anderen Ästhetik und der Gewißheit, dass diese Filme immer das Potential haben maximal beschissen zu Enden (für die Protagonisten). Z.b. bei „Die Hard“ weiß man irgendwie die ganze zeit, dass der Held überleben wird und sich die ganze Qual lohnen wird. Bei „Chaser“, „Oldboy“, „JSA“ und auch „Snowpiercer“ weiß ich das eigentlich nie. Und deshalb finde ich diese Kampfszenen auch so schwierig zu gucken.
    Naja, ich weiß nicht, ob das wirklich alles Sinn macht …. aber danke für die ausführliche Rezension.

    Ach ja, die „Helix“ die der Zug am Ende beschreibt, nennt sich Kreisviadukt ;-)

    • Ich glaube, wir verstehen alle genau was du sagen möchtest! Natürlich ist das Gefühl ein ganz anderes, wenn man intensiv um die Sicherheit des Protagonisten fürchtet und er in keiner „Scheingefahr“ schwebt, wie in DIE HARD. Das trauen sich nur wenige Filme bzw. Filmemacher und ich empfinde es als willkommene Abwechslung. Dass aber vor allen Dingen in der westlichen Filmwelt der Held am Ende mehr oder weniger triumpfal überlebt, kann ich auch gut akzeptieren. Meistens jedenfalls. Denn bei einigen Filmen, größtenteils Sommer-Blockbuster, kann mich so ein wischi-waschi-sinnlos-Happy-End auch total aufregen. Ohne groß zu spoilern: So geschehen in PACIFIC RIM.
      Wenn du schreibst, dass du es „schwierig zu gucken“ findest, meinst du dann, dass du mit den Protaginisten mitleidest, oder? Das ist ja auch eigentlich nur ein gutes Zeichen und spricht für den Film.
      Oder hast du ein generelles Problem mit Action-/Gewaltszenen? Da hat ja bekanntlich jeder seine eigenen Grenzen ;)

      Kreisviadukt… Das wäre keinem von uns mehr eingefallen :D

      Liebe Grüße =)

    • Erst einmal danke für die positive Rückmeldung :)
      Die Koreaner sind tatsächlich ziemlich gut darin, Action hart und realistisch zu verpacken. Ich glaube, dass die im Vergleich zu Hollywood eher eine Nische ansprechen dürfen. Hollywood muss schon 12-jährige ins Kino bekommen, ein PG-13-Rating erreichen und legt daher meist Wert auf Heldenfiguren, die am Ende siegreich und unbeschadet davonkommen und deren Methoden noch moralisch akzeptabel sind.
      In Südkorea besitzt das einheimische Kino einen hohen Marktanteil und produziert traditionell u.a. viele Gangster-Filme. Die dort erzählten erwachsenen Stoffe dürfen sich dann auch an erwachsene Menschen richten, inkl. drastischer und realistischer Gewaltdarstellung. Das kann man sich leider nur erlauben, wenn man finanziell nicht darauf angewiesen ist, für den Mainstream zu produzieren. Ich schätze, dass das ein wichtiger Faktor ist, wodurch viele koreanische Filme dürsterer wirken als ihre amerikanischen und europäischen Pendants.

      • Ich misch mich hier auch noch mal kurz ein:
        Persönlich stehe ich der „weichgespülten“ Gewaltdarstellung in Hollywood Filmen immer kritischer gegenüber. Ganz unterbewusst vermittelt ein Film den Zuschauern ja auch etwas – und die Heldengewalt der US-Streifen vermittelt nur, dass Gewalt a) das einzige Mittel zur Konfliktlösung ist und b) absolut folgenlos bleibt. Man muss sich mal bewusst vor Augen führen, wie viele Menschen da meist ganz unbemerkt umgebracht werden. Und nachdem man das so flapsig auspricht mal reflektieren, was es eigentlich bedeutet einen Menschen umzubringen. In Korea wird Gewalt als das gezeigt was sie ist: unmenschlich, abstoßend, irrational. Das schockt, aber ich empfinde es immer mehr als den einzig richtigen Weg.

      • Nun ja, mit der Aussage über das koreanische Kino wäre ich vorsichtig. Ein kurzer Blick in südkoreanische Filmproduktionen von 2014 zeigt, dass dort in etwa 250 Filme entstanden sind – einen Großteil machen dabei nicht etwa Thriller und Horrorfilme aus, wie man meinen könnte, sondern (wie so oft) Dramen und Komödien. Interessanterweise sind auch viel Dokumentationen dabei.

        Wofür das koreanische Kino aber bekannt geworden ist, sind eben diese Revenge-Thriller, die durch OLDBOY auch im Westen angekommen sind. Für die meisten Produktionen findet sich hierzulande aber kein Verleiher. Insofern ist das koreanische Kino unserem auch gar nicht so fern und fremd ;)

  3. Moin,
    danke für die schnellen und schönen Kommentare.
    Ich kenn zwar viele Filme, aber mir fehlt da die cineastische Grundbildung um das alles richtig einzuordnen…aber nach euren Kommentaren will ich glaub ich auf folgenden Punkt:
    Gewalt ist in asiatischen/koreanischen Filmen „irgendwie“ anders als in „westlichen“ Filmen.
    Ich nehme mal als Beispiel: Chaser. Der ging mir beim Gucken ziemlich nahe, obwohl die Gewaltszenen jetzt nicht so in-your-face waren; geht auch noch schlimmer…
    Als kontrast fällt mir spontan The Walking Dead ein. Die Serie gefällt mir aus dem Grund, weil man sich immerwieder damit konfrontiert sieht, was gerade noch akzeptable Gewaltdarstellungen sind. Wer die Serie kennt weiß, dass die Kamera beim Zombie-gesplatter einfach stehenbleibt, ohne den berühmten Cut in der letzten Millisekunde. Das interessante ist, dass man sich daran gewöhnt, und irgendwann ist das zerteilen, entweiden und so weiter der Zombies ganz normal. Der Punkt ist, dass das unsere Gewaltakzeptanz gegenüber den Überlebenden auch verschiebt.
    Das wäre an und für sich schon eine Sendung wert finde ich, die Diskussion über Gewalt und Gewaltdarstellung in Serien/Filmen ;-)

    Der Punkt der interessant ist, ist aber der, dass ich mich durch Walking Dead nicht so geschockt fühle, wie z.B. durch Chaser oder Snow Piercer. Es liegt also offensichtlich nicht an der reinen Gewaltdarstellung sondern am Setting, am Drumrum…
    Der einzige westliche Film, der mir da einfällt, der mich ähnlich gepackt hat, als ich ihn das erste mal sah ist Pan’s Labyrinth (ich sag nur „Weinflasche und Nasenbein“)…

    Naja, viel Geschreibsel ich weiß. Aber ich werde mir Snowpiercer auf jeden Fall nochmal anschauen, nicht zuletzt weil euch der Einsatz von Farben so schön aufgefallen ist (das Gelb von Tilda Swinton); das habe ich beim ersten Viewing gar nicht gesehen – ist aber ein interessanter Aspekt den ich mir unbedingt nochmal selbst anschauen möchte…

  4. Hab diese Folge gerade zuende gehört. Und diese war die allererste eures Podcasts. Ich kann jetzt schon sagen, dass ich euch wirklich gerne zuhören mag.

    Ich wollte nur mal loswerden, dass ich Snowpiercer für einer der schlechtesten Filme überhaupt halte. Die ganzen Metaphern und Anspielungen funzen bei mir überhaupt nicht. Ich finde sie weder originell, noch gut gewählt. Was mich bei dem Film auch äusserst genervt hatte war, dass er zu deutlich in der Erzählung war um metaphorisch zu sein aber seine Botschaft und gesellschaftskritischen Gedanken in zu schwachen und aberwitzigen Bildern und Situationen gepackt waren.
    Der Film und seine Botschaft wirken auf mich wirklich lächerlich. Komplett, von vorne bis hinten.

    _Wenn_ allerdings die Botschaft war, dass die Menschliche Kultur, die Gesellschaft und das Sein überhaup, stümperhaft, klischeebeladen, schlecht umgesetzt, einfallslos und schnell vergessen sein wird, hat der Film seine Sache gut gemacht :D
    Alle Dystopien, die mir jetzt gerade so spontan einfallen, gefallen mir aber besser als dieser Film.

    Aaaaaaaber euer Podcast ist echt schon zu hören und auch wie ihr eure Meinungen vertretet und erklärt finde ich total klasse. Ich werde auf jedenfall weiter catchen :)

    Danke euch :)

    • Danke für deinen Kommentar, wir freuen uns, dich als neuen Hörer begrüßen zu dürfen!
      Ich kann irgendwo nachvollziehen, dass SNOWPIERCER etwas eigen ist und daher nicht für jeden funktioniert. Als einen der schlechtesten Filme überhaupt kann man ihn aber meiner Meinung nach nur dann bezeichnen, wenn man noch keine wirklich miesen Filme gesehen hat – ich denke etwa an die guten Schauspieler und Schauwerte, die man Snowpiercer kaum absprechen kann.

      Beim ersten Ansehen hatte ich wie im Podcast erwähnt auch Probleme mit den Metaphern (habe mich aber zumindest bestens unterhalten gefühlt). Erst nach der Zweitsichtung und einigen Gedankenanstößen durch Analysen des Films habe ich die Metaphorik von Snowpiercer so richtig begriffen und muss sagen, dass dahinter wirklich mehr zu stecken scheint, als man auf den ersten Blick vielleicht wahrnimmt. Falls du Snowpiercer noch eine Chance geben willst, empfehle ich zwei englischsprachige Youtube-Videos, die die Parabel über unsere Gesellschaft kurz und verständlich auf den Punkt bringen. Und ansonsten gibt es ja zum Glück noch diverse andere tolle Dystopien ;)

      Hier die Links:
      https://www.youtube.com/watch?v=X05TDsoSg2Y

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